×
Neues Arbeitsmodell

Erste Schweizer Firmen führen Viertagewoche ein

Vier Tage Arbeit bei vollem Lohn. Was nach Utopie klingt, führen immer mehr Unternehmen ein - auch in der Schweiz.

Redaktion
Züriost
Sonntag, 16. Januar 2022, 11:17 Uhr Neues Arbeitsmodell
Mann im Homeoffice. Immer mehr Firmen führen die Viertagewoche ein.
Mehr Freizeit bei gleichem Lohn: Das könnte die Arbeit der Zukunft sein. Immer mehr Firmen testen die Viertagewoche.
Keystone-SDA / Symbolfoto: Keystone-SDA

In einzelnen kleineren Firmen in der Schweiz wird nur noch vier statt fünf Tage die Woche gearbeitet, bei vollem Lohn. Das gefalle den Mitarbeitenden und die Kunden hätten keine Probleme mit dem arbeitsfreien Freitag, sagte beispielsweise Andreas Ott, Inhaber eines Grafikbüros im Kanton Aargau, der «Sonntags Zeitung».

Mit dem Vier-Tage-Modell reduziere sich zwar der Umsatz, aber nicht um 20 Prozent. Für grosse Betriebe sei die Umstellung von fünf auf vier Arbeitstage komplexer, gibt Gudela Grote, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich, zu bedenken.

Im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte könne eine solche Regelung zwar Vorteile bringen, doch könne die Verdichtung auch zu mehr Stress und Überzeit führen. Die Gewerkschaften begrüssen die verkürzte Arbeitswoche, der Arbeitgeberverband hat Zweifel, will die Entwicklung aber beobachten, wie eine Sprecherin sagt.

International im Trend

Der japanische Elektronikkonzern Panasonic will die Viertagewoche auf breiter Basis einführen. Andere internationale Firmen gehen in die gleiche Richtung. So hat der Nestlé-Konkurrent Unilever probeweise die Viertagewoche in Neuseeland eingeführt. Die Mitarbeitenden erhalten dabei den vollen Lohn. Der Hersteller von Knorr-Suppen und Lipton-Tee verspricht sich dadurch zufriedenere und auch effizientere Angestellte.

Unilever messe Leistung, nicht Präsenzzeit, sagte Länderchef Nick Bangs zur «New York Times». «Wir glauben, dass die alten Arbeitsformen nicht mehr zeitgemäss sind und ihren Zweck nicht mehr erfüllen.»

Derweil kündigen in der Schweiz immer mehr Firmen die Einführung der verkürzten Woche an. Sie führen damit eine Entwicklung fort, die seit langem anhält. Die Schweizerinnen und Schweizer arbeiten immer weniger. 1950 lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei 47,7 Stunden. 2020 waren es noch 41,7 Stunden.

Die jüngsten Ankündigungen von Unternehmen zeigen, dass der Trend weiter nach unten zeigt. Die Idee einer Viertagewoche ist aber wohl für viele Firmenchefs noch zu revolutionär. Selbst Unternehmern, die das neue Arbeitsmodell eingeführt haben, erschien das noch bis vor kurzem verrückt. 

So sagt Seerow-Chef Fabian Schneider gegenüber der «Sonntags Zeitung»: «Vor zwei Jahren hätte ich über die Idee der Viertagewoche noch gelacht. Jetzt sehe ich: Es funktioniert.» (mae/sda/zo)

Kommentar schreiben