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Die WM-Teilnehmer

Sie alle machen Jagd auf die Trophäe

32 Teams in acht Gruppen machen untereinander den Weltmeister aus. Die grosse Übersicht.

Agentur
sda
Freitag, 18. November 2022, 11:49 Uhr Die WM-Teilnehmer

Am Sonntag beginnt die Fussball-WM. Titelverteidiger Frankreich gehört auch in Katar zu den am meisten genannten Titelanwärtern. Zusammen mit den Franzosen stehen Rekordweltmeister Brasilien, Argentinien, England, Spanien und Deutschland am höchsten in der Gunst der Wettanbieter. Die Schweiz befindet sich im vorderen Mittelfeld.

Die Besetzung beim Titelrennen am Persischen Golf ist nahezu perfekt. Als einziger früherer Weltmeister fehlt der aktuelle Europameister. Wie schon vor vier Jahren verpasste Italien die Qualifikation. Ansonsten befinden sich die namhaften Teams unter den Teilnehmern, und auch die meisten Stars von Lionel Messi über Neymar und Kylian Mbappé bis Cristiano Ronaldo sind in Katar mit dabei. 

Scrollen Sie sich durch unsere Übersicht über die 32 Teilnehmer in den acht Gruppen.

Gruppe A

Katar: Es läuft wie geölt

Der WM-Debütant Katar wird nicht die beste, aber ganz bestimmt die am besten eingespielte Mannschaft des WM-Turniers stellen. Allein in den Jahren 2021 und 2022 bestritten die Katari 33 Länderspiele. Ähnlich wie in der Leichtathletik sind die Scheichs auch im Fussball offen für Einbürgerungen. Aus grossen Fussballnationen stammen die Assimilierten im aktuellen Kader indessen nicht. Sie kommen aus Sudan (3), Irak, Algerien, Marokko, Ägypten und Tansania. Ein gebürtiger Portugiese ist immerhin auch dabei.

Ecuador: endlich ein Viertelfinal?

Ecuadors Nationalmannschaft ist in Südamerikas Fussball bestenfalls die fünfte Kraft. Und deshalb ist sie längst nicht an allen Weltmeisterschaften zugegen. In vier Anläufen ab 2002 erreichte Ecuador nur 2006 in Deutschland die K.o.-Phase. 2014 in Brasilien verlor Ecuador im ersten Gruppenspiel gegen die Schweiz in der 93. Minute. Das Tor von Haris Seferovic, das Valon Behrami mit einem langen Sprint einleitete, ist unvergesslich.

Senegal: viel Talent, wenig Ertrag

Senegals beste WM fiel in die Zeit des «Golden Goal». Den Westafrikanern gelang im Eröffnungsspiel der WM 2002 die Sensation des Turniers, indem sie Titelverteidiger Frankreich 1:0 niederrangen. In den Achtelfinals siegte Senegal gegen Schweden dank einem Golden Goal, in den Viertelfinals verlor es gegen die Türkei - diesmal wegen eines Golden Goals. Insgesamt schaute über die Jahrzehnte zu wenig heraus, wenn man es dem Talent der senegalesischen Fussballer wie etwa Sadio Mané gegenüberstellt.

Niederlande: Van Gaal, die Dritte

Louis van Gaal befindet sich in seiner dritten Zeit als Bondscoach. Im November 2001 trat er ein erstes Mal ab, nachdem er in der Qualifikation für die WM 2002 in Japan und Südkorea gescheitert war. 2014 führte er die Mannschaft durch die WM in Brasilien. Dort scheiterte die Niederlande im Halbfinal nach Penaltyschiessen an Argentinien. Im August 2021 kehrte er zum niederländischen Nationalteam zurück. Vielleicht kann der mittlerweile 71-Jährige die Oranje in seiner dritten Amtszeit ans Ziel führen. Das Potential und das Talent der "Elftal" sind beeindruckend.

Gruppe B

England: Das Trauma ist überwunden

Die Engländer befinden sich im Aufwind. 2018 in Russland erreichten sie mit dem Einzug in die Halbfinals ihr bestes WM-Resultat seit 1990 und sie überwanden auf dem Weg dorthin ein jahrzehntealtes Trauma, indem sie im Achtelfinal gegen Kolumbien erstmals an einer WM ein Penaltyschiessen für sich entscheiden konnten. Zwar folgte im letzten Jahr im EM-Final im Wembley gegen Italien eine nächste bittere Niederlage in der Lotterie vom Elfmeterpunkt. Dass es das Team von Gareth Southgate aber überhaupt dorthin schaffte, zeigt, welche Entwicklung die «Three Lions» unter dem 52-Jährigen hinter sich haben.

Iran: Rückkehrer Queiroz schürt Hoffnung

Iran hat sich seine sechste WM-Teilnahme souverän gesichert. Zum dritten Mal in Folge wird der dreifache Gewinner der Asien-Meisterschaft an einer Endrunde vertreten sein. Das zeigt, dass aus einem überraschenden Aussenseiter eines der stärksten Teams des asiatischen Verbandes geworden ist. Baumeister dieses Erfolgs war der Portugiese Carlos Queiroz, der das Team zwischen 2011 und 2019 ununterbrochen betreute. Seit September ist der 69-Jährige wieder im Amt und schürt die Hoffnung, dass im sechsten Anlauf erstmals die Vorrunde überstanden werden kann.

USA: Nach Verjüngungskur zurück

Sieben Mal in Folge qualifizierte sich die USA bis 2014 für eine WM-Endrunde. Doch 2018 riss die Serie, in Russland waren die Amerikaner nicht dabei. Unter Gregg Berhalter stellte die USA in der Qualifikation hinter Kanada und Mexiko nun die elfte WM-Teilnahme sicher. Berhalter hat in Katar ein sehr junges, talentiertes Team beisammen, das sich Chancen ausrechnet, den Iran und Wales hinter sich zu lassen. Chelseas Christian Pulisic ist der Star des Teams, aber die nächste Generation an Talenten rückt mit dem gebürtigen Niederländer Sergiño Dest, Dortmunds Giovanni Reyna und Valencias Yunus Musah bereits nach.

Wales: Der Talisman weckt Träume

64 Jahre liegt die erste und bisher einzige WM-Teilnahme zurück. Für ihren zweiten Auftritt an einer WM mussten die Waliser den Umweg über die Playoffs nehmen. Mit Siegen gegen Österreich und die Ukraine wurden auch die letzten Hürden übersprungen, wobei die Waliser auf ihren Talisman zählen konnten: Gareth Bale, 33-jährig und seit dieser Saison in der nordamerikanischen MLS bei Los Angeles FC tätig, schoss gegen die Österreicher beide Treffer und gegen die Ukrainer führte sein Freistoss zum entscheidenden Eigentor. Auf der Insel träumen sie davon, in Katar wie bei der Premiere 1958 in Schweden in die Viertelfinals einzuziehen.

Gruppe C

Argentinien: Zwei Finalniederlagen reichen

Mario Kempes und Diego Armando Maradona waren die Helden, als Argentinien 1978 im eigenen Land und 1986 in Mexiko Weltmeister wurde. Im Final 1990 in Rom gegen Deutschland war Maradona angeschlagen. Argentinien verlor kurz vor Schluss durch einen Foulpenalty. 24 Jahre später, im Final in Brasilien, schlugen die Deutschen gegen Argentinien in der Verlängerung zu. Argentinien könnte heute mit ein bisschen Glück vierfacher Weltmeister sein. Für die WM in Katar kann Nationalcoach Lionel Scaloni auf ein starkes und breites Kader zählen, in dem längst nicht alles von Lionel Messi abhängen wird. Die Qualifikation in Südamerika hat allerdings aufgezeigt, dass Argentinien nicht an den Erzrivalen Brasilien herankommt.

Saudi-Arabien: Nicht alles ist käuflich

Im Golfsport haben die Saudis mit Hunderten von Millionen Dollar eine neue Welttour aufgestellt und mit horrenden Summen Stars aus den verschiedensten Ländern zusammengekauft. Im Fussball lässt sich der Erfolg auf dem Platz glücklicherweise noch nicht kaufen. Man braucht keine prophetischen Fähigkeiten zu haben, um der im Weltfussball namenlosen Equipe das Ausscheiden nach den Gruppenspielen vorherzusagen. In der Asien-Qualifikation immerhin überraschten die Saudis. Sie siegten mit je einem Tor Unterschied in den Heimspielen gegen Japan und Australien und beendeten die Qualifikationsgruppe auf dem 1. Platz.

Mexiko: Ab und zu ein Exploit

An den Heim-Weltmeisterschaften 1970 und 1986 stiess Mexikos Nationalmannschaft in die Viertelfinals vor. Bis heute sind es ihre grössten Erfolge geblieben. In einzelnen Spielen sind die Mexikaner für Exploits gut. 2018 in Russland besiegten sie im ersten Gruppenspiel Deutschland 1:0. In der Qualifikation für 2022 liess sich Mexiko vom WM-Debütanten Kanada auf den 2. Platz (vor den USA) verdrängen. Aus den beiden Duellen mit Kanada schaute nur ein Punkt heraus. Im aktuellen Kader des argentinischen Trainers Gerardo Martino findet man nur wenige in Europa tätige Legionäre. Keiner von ihnen ist in einem Spitzenklub engagiert.

Polen: Ära Lewandowski

Neunmal hat sich Polen für ein WM-Turnier qualifiziert, nach 1986 nur noch viermal. Dennoch weisen die polnischen Weiss-Roten auf höchster Ebene Erfolge vor, von denen die Schweizer Rot-Weissen bisher nur träumen können. In den Siebzigern und frühen Achtzigern stellte Polen eine der besten Mannschaften überhaupt. Jene Generation hätte ohne weiteres Weltmeister werden können. Es reichte "nur" zu den 3. Plätzen 1974 und 1982. In der heutigen Mannschaft ist Robert Lewandowski, zweifacher und aktueller Weltfussballer, der einzige Ausnahmekönner. Wohin er die Mannschaft in Katar führen kann, wird man sehen. In der Qualifikation musste Polen den Umweg über die Barrage nehmen. Zuletzt reichte ein 2:0-Heimsieg gegen Schweden.

Gruppe D

Frankreich: Achterbahnfahrt mit Weltmeister

Seit der WM 2018 reiht der Weltmeister Besseres und Schlechteres aneinander. Auf die verpatzte Europameisterschaft mit der Achtelfinal-Niederlage gegen die Schweiz folgte der Sieg in der Nations League mit spektakulären Erfolgen gegen Belgien und Spanien. Speziell im Sturm hat Nationalcoach Didier Deschamps eine Auswahl wie wohl keiner seiner Kollegen, gesetzt sind Karim Benzema, Antoine Griezmann und Kylian Mbappé. Sorgen macht ihm das Mittelfeld mit den verletzten Routiniers Paul Pogba (81 Länderspiele) und Ngolo Kanté (52).

Dänemark: Das Zeugs zum Überraschungsteam

Nach dem Zusammenbruch von Spielmacher Christian Eriksen an der EM 2021 scheint der Zusammenhalt im dänischen Team noch etwas grösser zu sein. Die Qualifikation für Katar sicherten sich die Skandinavier mit acht Siegen in den ersten acht Spielen, zuletzt schlugen sie in der Nations League zweimal Frankreich. Mit der Erfahrung vom Vorstoss in den Halbfinal an der letzten EM (Niederlage gegen England) ist den Dänen eine Überraschung zuzutrauen. Ihr bislang bestes WM-Resultat war der Viertelfinal 1998.

Australien: Stammgast mit kleinen Erfolgen

Seit Australien die Qualifikation mit den Asiaten bestreitet, ist das Land ein WM-Stammgast. Zum fünften Mal in Serie sind die Australier dabei. Die Vorrunde überstanden sie aber nur 2006. Damals war Graham Arnold einer der Assistenten von Guus Hiddink. Seit 2018 ist der 59-jährige Australier der Chefcoach einer Mannschaft, die anders als bei früheren Weltmeisterschaften auf keine Spieler aus europäischen Spitzenklubs zählen kann.

Tunesien: Afrikas Defensivkünstler

Mit zwei Gegentoren in acht Spielen marschierte Tunesien in der WM-Qualifikation durch die entscheidende Phase. Die Stärken der Tunesier liegen in der Defensive. Die kompakte Mannschaft zählt mit Mohamed Dräger vom FC Luzern und Sayfallah Ltaief vom FC Basel auch auf zwei Spieler aus der Super League. Der gefährlichste Stürmer ist Wahbi Khazri, in Montpellier Teamkollege von Jonas Omlin.

Gruppe E

Spanien: Unter Enrique wieder Titelkandidat

Nach dem Triple (zwei EM-, ein WM-Titel) zwischen 2008 und 2012 musste Spanien unten durch. An der WM 2014 scheiterte die Furia Roja in der Gruppenphase, an der EM 2016 und an der WM 2018 im Achtelfinal. Der Verband holte deshalb Trainer Luis Enrique, der davor in drei Spielzeiten bei Barcelona insgesamt neun Titel gewonnen hatte. Unter ihm scheiterten die Spanier an der EM 2021 im Halbfinal gegen Italien im Penaltyschiessen. Die Qualifikation für die WM schaffte das Team problemlos, und in der Nations League erreichte es im Herbst zum zweiten Mal in Folge das Finalturnier.

Costa Rica: Mit Keylor Navas als Versicherung

Zwei europäische Topnationen in der Gruppe? Das weckt in Costa Rica Erinnerungen an die WM 2014, als man Italien und England in der Gruppe hinter sich liess und im Viertelfinal erst im Penaltyschiessen scheiterte. Die grosse Figur damals war Torhüter Keylor Navas, der anschliessend zu Real Madrid wechselte und nun bei Paris Saint-Germain spielt. Navas war auch der Hauptgrund, warum sich Costa Rica für die WM qualifizierte. Das offensiv eher harmlose Team (13 Treffer in 14 Spielen) erreichte dank der guten Defensive die Playoffs. Dort hielt der Goalie auch gegen Neuseeland dicht (1:0), womit Costa Rica bereits die fünfte Endrunde in diesem Jahrtausend bestreitet.

Deutschland: Angeführt von starker Bayern-Gruppe

Die Nations-League-Kampagne mit je einem Sieg und einer Niederlage sowie vier Unentschieden sorgte kaum für Euphorie. Trotzdem liess die Mannschaft zwischendurch ihre unbestreitbare Klasse aufblitzen. Trainer Hansi Flick bot für sein erstes Turnier als Cheftrainer unter anderen sieben Leistungsträger von Bayern München auf - allen voran den 36-jährigen Captain Manuel Neuer und Joshua Kimmich, der im Mittelfeld die Fäden zieht. In der Offensive kann Flick im Zentrum entweder den erfahrenen Thomas Müller oder den jungen Jamal Musiala einsetzen, während Serge Gnabry und Leroy Sané auf den Seiten für Furore sorgen.

Japan: Mit vielen «deutschen» Spielern

Japan war das tragische Team der letzten WM. Im Achtelfinal führten die Japaner gegen das klar favorisierte Belgien bis in die 69. Minute 2:0, dann kassierten sie innert fünf Minuten den Ausgleich, ehe in der 94. Minute nach einem Konter auch noch das 2:3 fiel. Damit verpassten die Asiaten den erstmaligen Einzug in den Viertelfinal auf bittere Weise. In der Gruppe mit Spanien und Deutschland wäre das Erreichen der K.o.-Phase bereits eine Sensation. Im Kader für Katar sind gleich sieben Spieler zu finden, die bei deutschen Teams engagiert sind, unter ihnen Mittelfeldspieler Daichi Kamada, der in dieser Saison bei Frankfurt gross aufspielt und zuletzt Treffer an Treffer reihte.

Gruppe F

Belgien: Der ewige Geheimfavorit

Das zweitplatzierte Team der Weltrangliste sollte automatisch zu den Turnierfavoriten gehören. Belgien zählt seit Jahren aber eher zu den Geheimfavoriten. Denn der grosse Sprung ist der "goldenen Generation" noch nicht gelungen. Dem Titel am nächsten kamen die Belgier vor vier Jahren in Russland, als sie im Halbfinal am späteren Weltmeister Frankreich scheiterten und schliesslich Dritter wurden. An der EM 2021 stand im Viertelfinal mit Italien ebenfalls der spätere Titelgewinner im Weg. Die WM in Katar stellt für Führungsspieler wie Kevin De Bruyne, Thibaud Courtois oder Eden Hazard - inzwischen alle in den Dreissigern - wohl eine der letzten Titelchancen dar.

Kanada: Rückkehr auf die Weltbühne

36 Jahre nach der letzten und bisher einzigen Teilnahme bestreitet Kanada wieder eine Weltmeisterschaft. Damals, 1986 in Mexiko, blieb man ohne Punkte und ohne Tore. In Katar könnte es also gleich mehrere Premieren geben. In der Qualifikation hat Kanada die WM-Stammgäste Mexiko und USA hinter sich gelassen. Möglich gemacht haben dies unter anderen junge Offensivspieler wie Cyle Larin, Jonathan David oder Alphonso Davies. Um Davies' Teilnahme musste man bangen; der Bayern-Spieler hatte sich kurz vor der WM verletzt. Der 22-Jährige steht jedoch im Kader und sollte rechtzeitig wieder fit werden, um die Hauptprobe für die Heim-WM 2026 zu bestreiten.

Marokko: Unruhe vor der WM

Marokko qualifizierte sich souverän für die WM. Als einziges Team gewann es alle sechs Gruppenspiele (gegen Guinea-Bissau, Guinea und Sudan) und wies dabei ein Torverhältnis von 20:1 aus. Auch im Playoff-Duell gegen die DR Kongo setzte sich Marokko mit dem Gesamtresultat von 5:2 locker durch. Trotzdem trennte sich der Verband drei Monate vor der WM von Trainer Vahid Halilhodzic. Nach internen Konflikten hatten sich die Leistungsträger Noussair Mazraoui (Bayern München) und Hakim Ziyech (Chelsea) geweigert, weiter unter dem Bosnier aufzulaufen. Mit dem Engagement von Walid Regragui als Nationalcoach ist wieder etwas Ruhe eingekehrt

Kroatien: Top oder Flop

Bei ihren bisherigen fünf WM-Teilnahmen sind die Kroaten entweder in der Gruppenphase gescheitert (2002, 2006, 2014) oder auf dem Podest gelandet (1998: 3. Platz, 2018: 2. Platz). Dass das Team auch in Katar weit kommen kann, bewies es nicht zuletzt mit den diesjährigen Auftritten in der Nations League. In dieser liess man Weltmeister Frankreich und auch die aufstrebenden Dänen hinter sich und qualifizierte sich fürs Finalturnier. Das Team lebt vor allem vom starken Mittelfeld mit Captain und FIFA-Weltfussballer Luka Modric (Real Madrid), Marcelo Brozovic (Inter Mailand) und Mateo Kovacic (Chelsea).

Gruppe G

Brasilien: Der sechste Stern

Die Mannschaft um Captain Thiago Silva und Stürmerstar Neymar strotzt vor Qualität und Talent, und anders als die europäischen Top-Nationen verzeichnete sie im üppig befrachteten WM-Jahr keine Leistungseinbruch. Seit dem verlorenen Final an der Copa America 2021 gegen Argentinien ist die Selecão ungeschlagen. 12 der 15 Spiele gewann sie, darunter die letzten 7. Der sechste Weltmeister-Stern scheint greifbar für den Rekord-Champion. Federführend beim Wiederaufbau ist Trainer Tite. Der 61-Jährige kann inzwischen aus einem riesigen Fundus schöpfen und beweist dabei ein gutes Händchen. Nicht nur harmoniert die prunkvolle Offensive um Neymar und Vinicius Junior, auch die hinteren Positionen um Casemiro und Fabinho im defensiven Mittelfeld, Thiago Silva, Eder Militão und Marquinhos in der Verteidigung sowie Alisson und Ederson im Tor sind exzellent besetzt.

Serbien: Dragans Werk

Zwei Jahre nach dem Aus an der WM 2018 in der Gruppe mit der Schweiz und Brasilien lag Serbiens Nationalmannschaft am Boden. Trotz der Aufstockung auf 24 Teilnehmer verpasste sie zum vierten Mal die Qualifikation für die EM. Wiederum zwei Jahre später herrscht im Lager der Serben eine grosse Euphorie. Unter Dragan «Piksi» Stojkovic gelang der Turnaround so gut, dass Serbien an der WM 2022 als möglicher Favoritenschreck gehandelt wird. Das Prunkstück der Mannschaft ist die Offensive mit Juventus-Stürmer Dusan Vlahovic, Fulhams Tormaschine und Serbiens Rekordtorschütze Aleksandar Mitrovic, Captain Dusan Tadic und Flanken-Spezialist Filip Kostic. Im Mittelfeld sorgt Sergej Milinkovic-Savic für die richtige Balance.

Schweiz: Reif für mehr

Nationalcoach Murat Yakin setzte die erfolgreiche Arbeit seiner Vorgänger Vladimir Petkovic, Ottmar Hitzfeld und Köbi Kuhn nahtlos fort. Der ehemalige Internationale trug dazu bei, dass sich die Schweiz zum fünften Mal in Folge für die WM-Endrunde qualifizierte. Inklusive EM hat die Schweiz nur eines der letzten zehn grossen Turniere verpasst. In Katar soll nach dem Viertelfinal-Vorstoss an der EM auch an der WM der Sprung unter die besten acht gelingen. Es wäre das erste Mal seit der Heim-WM 1954. Ein beträchtlicher Teil der Mannschaft bestreitet in Katar bereits die vierte Endrunde. Captain Granit Xhaka, Verteidiger Ricardo Rodriguez und Stürmer Haris Seferovic standen schon 2009 beim Gewinn des U17-Weltmeistertitels in Nigeria gemeinsam auf dem Platz.

Kamerun: Gezähmte Löwen

Sie gelten als die «Unzähmbaren Löwen» und konnten sich lange auf die Ausnahme-Qualitäten von Samuel Eto'o verlassen. 2022 steht der legendäre Rekord-Internationale Rigobert Song nicht mehr auf dem Platz, sondern sitzt auf der Trainerbank. Der Glanz auf dem Rasen ist verblasst. 32 Jahre nach dem Viertelfinal-Vorstoss in Italien träumt in Kamerun kaum mehr einer vom grossen Wurf. Die Leistungsträger heissen André-Frank Zambo Anguissa, Eric Maxim Choupo-Moting, Karl Toko Ekambi und André Onana, zum (erweiterten) Kreis der Mannschaft gehören aus der Super League bekannte Spieler wie Jean-Pierre Nsame, Nicolas Moumi Ngamaleu, Gaël Ondoua und Tsyi William Ndenge.

Gruppe H

Portugal: Ronaldos wohl letzte Chance

Erst in den Playoffs löste Portugal das WM-Ticket mit Siegen gegen die Türkei und Nordmazedonien. Cristiano Ronaldo spielte in diesen entscheidenden Partien eine Nebenrolle, wird nun aber zum fünften und vermutlich letzten Mal eine WM bestreiten dürfen. Der 37-Jährige, der mit 117 Treffern internationaler Rekordtorschütze ist, stösst so in einen exklusiven Zirkel vor, dem nur wenige angehören: Die Mexikaner Antonio Carbajal und Rafael Marquez sowie der Deutsche Lothar Matthäus. In Katar werden neben Ronaldo auch sein ewiger Rivale Lionel Messi und die Mexikaner Andrés Guardado und Guillermo Ochoa zum fünften Mal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen. Es ist wohl Ronaldos letzte Möglichkeit, die einzige Lücke in seinem unvergleichlichen Palmares zu schliessen. Seit Platz 4 2006 waren die Achtelfinals zweimal das Höchste der Gefühle.

Ghana: Rückkehr nach einem schwierigen Jahr

Die Ghanaer kommen aus einer schwierigen Phase. Der Afrika Cup missriet den Westafrikanern Anfang Jahr komplett. Es war das Ende für den serbischen Trainer Milovan Rajevac, und der Verband betraute einen Mann mit der Aufgabe, Ghana doch noch an die WM zu führen, den nicht viele auf dem Radar gehabt hatten. Otto Addo, ein Ghanaer, der in Deutschland aufgewachsen ist und in der Bundesliga mit Dortmund den Meistertitel 2002 gewonnen hat, arbeitet als Talent-Trainer beim BVB. Nationalcoach seines Heimatlandes ist er im Nebenamt, das er nach der WM abgeben wird. Aber der 47-Jährige hat es geschafft, die neue Generation nach Rekordtorschütze Asamoah Gyan zu stabilisieren und die vierte WM-Teilnahme sicherzustellen. Für eine neuerliche Überraschung wie 2010, als Ghana in Südafrika bis in die Viertelfinals vorstiess, kommt Katar wohl etwas zu früh.

Uruguay: Neuer Trainer und viel Erfahrung

15 Jahre lang hatte Oscar Tabarez Uruguay gecoacht, ehe der 75-Jährige im November 2021 nach vier Niederlagen in Folge seinen Posten räumen musste. Diego Alonso hauchte dem Team wieder Leben ein und bewerkstelligte die 14. WM-Teilnahme des zweifachen Weltmeisters mit vier Siegen in Folge. Uruguay verfügt zwar über beeindruckendes Potenzial in der Offensive. Die Beine von Rekordtorschütze Luis Suarez (35), der mittlerweile in seiner Heimat aktiv ist, werden aber ebenso wenig jünger wie jene des gleichaltrigen Edinson Cavani. Ein Hoffnungsträger ist Darwin Nuñez (23), der in Liverpool in Suarez’ Fussstapfen getreten ist. Seine Tore werden nötig sein, soll wie bei der letzten WM in Russland mindestens der Vorstoss in die Viertelfinals gelingen.

Südkorea: Sorgen um Son

Zum zehnten Mal in Folge haben sich die Südkoreaner für die WM-Endrunde qualifiziert. 2002 erreichten sie an der gemeinsam mit Japan ausgerichteten Heim-WM die Halbfinals. Ein Exploit wie vor 20 Jahren scheint in Katar eher unwahrscheinlich. Zwar kam die Mannschaft des portugiesischen Trainers Paulo Bento ziemlich problemlos durch die Qualifikation. Dass an einer Endrunde aber auf höherem Niveau gespielt wird, bekamen die Südkoreaner im Sommer in einem Testspiel zu spüren, als sie gegen Brasilien 1:5 untergingen. Zudem plagen die Asiaten Verletzungssorgen. Son Heung-Min, der Superstar des Teams, erholt sich derzeit von einem Bruch der Augenhöhle, den sich der Offensivspieler Anfang November zugezogen hat. Natürlich ist der 30-Jährige in Katar mit dabei. Seine Klasse kann sonst niemand im Team auf den Platz bringen.

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