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Exploit von Riediker Judoka

Kocher holt WM-Bronze

Fabienne Kocher ist an der WM in Budapest der grösste Erfolg ihrer Karriere gelungen: Sie gewann in der Kategorie bis 52 kg die Bronzemedaille.

Oliver
Meile
Montag, 07. Juni 2021, 17:21 Uhr Exploit von Riediker Judoka

Der Kampf um Bronze ist eng. Und bleibt vorerst ohne Entscheidung. Je eine Strafe haben die Riedikerin Fabienne Kocher und ihre Gegnerin, die Portugiesin Joana Ramos, nach Ablauf der vier Minuten auf dem Konto. Der Kampf muss also ins Golden Score. 

In diesem geht es plötzlich schnell. Das Duell zwischen der 27-jährigen Schweizerin und ihrer zwölf Jahre älteren Gegnerin endet nach nur 51 Sekunden, auf allerdings unspektakuläre Art und Weise. Ramos kassiert in kurzer Folge zwei weitere Strafpunkte – Kocher siegt und sichert sich in Budapest in der Kategorie bis 52 kg den dritten Platz. 

Es ist der ideale Abschluss eines fast perfekten Tages, wobei Kocher auch ein paar Stunden nach ihrem letzten Wettkampf sagt: «Es ist noch immer ein wenig surreal. Aber ich freue mich sehr über diese Medaille.»

Die Enttäuschung abgeschüttelt

Erstmals überhaupt stösst Kocher an Elite-Weltmeisterschaften in den Final-Block vor. Sie verpasst zwar den Sprung in den Final mit ihrer Niederlage gegen die Spanierin Ana Perez Box, kann die Enttäuschung darüber aber abschütteln.

Schwer ist ihr das nicht gefallen, sagt sie. Kocher hat gelernt, solche Niederlagen gedanklich von sich wegzuschieben. «Man kann sich darüber auch später noch ärgern.»

Im Kampf um den 3. Platz ist sie wieder voll auf der Höhe. Sie feiert mit dem Gewinn von WM-Bronze den grössten Erfolg der Karriere.

Ihr gelingt zugleich Historisches: Sie ist erst die zweite Schweizer Judoka, die bei den Frauen eine WM-Medaille gewinnt. Vor 24 Jahren war Monika Kurath in der Klasse bis 48 kg in Paris ebenfalls Dritte geworden.

So verlief Fabienne Kochers WM-Tag. (Quelle: Youtube)

Kocher stellt mit ihrer starken Leistung in der ungarischen Hauptstadt einmal mehr unter Beweis, dass sie mit der Weltspitze Schritt halten kann. Die Nummer 21 der Weltrangliste nützt dabei auch die Gelegenheit resolut aus, dass in Budapest die Hälfte der Kämpferinnen aus den Top Ten ihrer Kategorie fehlen. 

«Es war ein Vorteil für mich, dass Einige ihren Fokus bereits auf Olympia legten», stellt Kocher fest. Früh im Wettkampf hat sie realisiert: Heute liegt einiges drin. «Ich habe mich voller Energie gefühlt», blickt sie zurück, «nach den Kämpfen spürte ich jeweils keinerlei Schmerzen.» 

Weltmeisterschaften und Fabienne Kocher – das war bisher keine Liebesbeziehung. An ihren letzten drei Elite-WMs war sie jeweils ohne Platzierung geblieben. Das Bestresultat datiert deswegen aus dem Jahr 2014.

Damals hatte sie den 7. Platz belegt – allerdings in einer anderen Gewichtsklasse. Um dieses Ergebnis toppen zu können, brauche es einen starken Kopf, viel Herzblut und eisernen Siegeswillen, hatte Kocher im Vorfeld gesagt. Und war in Budapest auf den Punkt genau bereit, obwohl viel auf dem Spiel stand.

Olympia in Tokio – Kocher oder Tschopp? 

Mit ihrem 3. Platz hat Kocher ihre Ausgangslage im internen Kampf um ein Olympiaticket erheblich verbessert. Die Riedikerin – sie hatte die Qualifikationskriterien bereits vorher erfüllt – gewann beim finalen Turnier der Qualifikationsphase 1000 Punkte.

Die Baslerin Evelyne Tschopp, die vor der WM in der Weltrangliste acht Plätze vor Kocher lag, scheiterte an der WM derweil in den Pool-Kämpfen. 

«Egal, wer gehen darf. Für die Andere ist das hart.»

Fabienne Kocher

Bei Olympischen Spielen ist pro Land und Gewichtsklasse nur eine Athletin teilnahmeberechtigt. Den Entscheid, ob Kocher oder Tschopp die Schweiz in Tokio vertreten darf, fällt die Selektionskommission von Swiss Olympic nach Vorschlag des Schweizer Judo-Verbandes.

Ersten Berechnungen zur Folge hat Kocher ihre Teamkollegin Tschopp überflügelt – um lediglich sieben Punkte. Die Riedikerin sagt: «Egal, wer gehen darf. Für die Andere ist das hart. Sieben Punkte Differenz, das ist einfach nichts.»

Nils Stump muss sich der Weltnummer 1 beugen

An der WM in Budapest ist Nils Stump in der stark besetzten Kategorie bis 73 Kilogramm ohne Platzierung geblieben. Der Ustermer, der im April mit dem Gewinn von EM-Bronze ein weiteres Müsterchen seiner Klasse abgeliefert hatte und auf Kurs Richtung der Olympischen Spiele in Tokio ist, erwischte ein hartes Los. Nach Siegen gegen den Slowenen Jus Mecilosek und Aden-Alexandre Houssein aus Djibouti traf der 24-Jährige im dritten Kampf auf die Weltnummer 1, den Japaner Soichi Hashimoto.

«Ich weiss, dass ich an einem guten Tag auch die Favoriten schlagen kann», hatte Stump vor den Titelkämpfen gesagt. Er forderte dem Weltmeister von 2017 in der Tat denn auch alles ab, musste sich dem 29-Jährigen im Golden Score aber dennoch beugen. 

Stumpf dürfte sich nun einige Tage Pause gönnen. Danach geht es für den vor der WM auf Rang 26 in der Weltrangliste liegenden Kämpfer des Judoclub Uster weiter mit der Olympia-Vorbereitung. (zo) 

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