×
Stadtrat stimmt Gestaltungsplan Mattacker zu

Unendliches Quartierplanverfahren in Wetzikon kommt nun voran

Der Abschluss der 20-jährigen Planungen ist etwas näher gerückt. Der Wetziker Stadtrat hat den Quartierplan Mattacker-Mühle festgesetzt und dem Gestaltungsplan zugestimmt. Mit den verärgerten Landeigentümern habe man eine Lösung gefunden, heisst es. Wie diese aussieht, bleibt unklar.

Redaktion
Züriost
Freitag, 24. Juni 2022, 12:15 Uhr Stadtrat stimmt Gestaltungsplan Mattacker zu
Familie Attiger vor ihrem Grundstück an der Rapperswilerstrasse. Seit dem Jahr 2000 ist es durch einen Quartierplan blockiert.
Archivfoto: Seraina Boner

Nun also doch noch: Der Wetziker Stadtrat hat nach 20 Jahren Planerei den Quartierplan Mattacker-Mühle festgesetzt und dem dazugehörigen Gestaltungsplan Mattacker zugestimmt. Er bezeichnet den Schritt in der Mitteilung selbst als Meilenstein. Tatsächlich ist die Geschichte kein Ruhmesblatt für die Wetziker Stadtplanung.

Das Verfahren, das üblicherweise keine fünf Jahr dauert, war ein richtiger Knorz (siehe Chronologie), bei dem vor zwei Jahren den Eigentümern im Mattacker schliesslich der Geduldfaden riss.

Weil der Stadtrat im Herbst 2000 einen sogenannten Quartierplanbann verhängte, konnten sie ihre Grundstücke weder entwickeln noch verkaufen. Die Landeigentümer kritisieren, sie würden vom Stadtrat immer wieder vertröstet, belogen und hingehalten. Besonders betroffen davon ist die Familie Attiger, die an der Rapperswilerstrasse eine Liegenschaft mit Wohnungen und Industriespritzwerk besitzt.

Allerlei verschiedene Interessen 

In seiner Mitteilung versucht der Stadtrat die enorme Verzögerung nun zu rechtfertigen: Weil die Grundeigentümer das Gestaltungsplanverfahren «Mattacker» starteten, hätten beide Verfahren inhaltlich und verfahrenstechnisch aufeinander abgestimmt werden müssen. «Wechselseitige Verzögerungen konnten in der Folge nicht immer vermieden werden.» 

Auch öffentliche Interessen spielten eine Rolle: So habe der Quartierplan eine Lösung für die Anbindung des Gebiets an die Rapperwilerstrasse finden müssen, die die Verkehrssituation nicht zusätzlich stark belaste und die im Richtplan vorgesehene Baumreihe entlang der Rapperswilerstrasse ermögliche.

Das nun vorliegende Erschliessungskonzept basiere auf mehreren Verkehrsstudien und auf einer privatrechtlichen Erschliessungslösung ausserhalb des Quartierplans, so der Stadtrat.

Die Behörde hatte wegen des dermassen langen Verfahrens aber auch mit neuen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Die Rapperswilerstrasse, vormals im Eigentum des Kantons, ist seit Anfang 2020 eine Nationalstrasse und somit Eigentum des Bundesamts für Strassen (Astra). «Die zu berücksichtigenden Interessen wurden damit noch diverser.»

Lösung mit den Eigentümern unklar

Der vorliegende Quartierplan habe es aber geschafft, die verschiedenen Interessen zu bündeln und eine auch für die beteiligten Grundeigentümerschaften ausgewogene Lösung für die Erlangung der Baureife ihrer Grundstücke zu erarbeiten. Wie diese aussieht, führt der Stadtrat nicht aus. 

Weder die zuständige Stadträtin Susanne Sieber (FDP) noch die betroffene Familie Attiger waren am Freitag für eine Stellungnahme erreichbar. 

Der Stadtrat schreibt weiter, ihm sei gelungen sei, eine im kommunalen Richtplan vorgesehene, verkehrsabgewandte Velo- und Fussgängerverbindung ab Pestalozzistrasse bis zu den Sportanlagen zu realisieren; «ein grosser Mehrwert für die Einwohnerinnen und Einwohner von Wetzikon».

Entstehen soll künftig eine zentrumsbildende Wohnüberbauung, wobei ein Fünftel der Nutzung dem Gewerbe zur Verfügung stehen wird.

Der Quartierplan Mattacker-Mühle (rot), der Gestaltungsplan Mattacker (blau) und das Grundstück der Familie Attiger (gelb). Grafik: Andreas Kurz

Die Lage zwischen der lärmbelasteten Rapperswilerstrasse und der Kantonsschule Zürcher Oberland, die ein Denkmalschutzobjekt von überkommunaler Bedeutung ist, habe von den Planenden im Austausch mit Stadt und Kanton eine intensive Auseinandersetzung mit den räumlichen Gegebenheiten verlangt.

«Der Stadtrat ist überzeugt, dass der nun vorliegende Gestaltungsplan den hohen Anforderungen gerecht wird und die Voraussetzungen für eine städtebaulich sehr ansprechende gemischte Wohnüberbauung am Eingangstor in Unterwetzikon schafft», wird Stadträtin Sieber in der Mitteilung zitiert.

Verfahren noch nicht abgeschlossen

Sie freue sich insbesondere auch für alle in die Planung involvierten privaten Parteien, dass mit der Zustimmung zum Gestaltungsplan und der Festsetzung des Quartierplans ein Abschluss der Verfahren ein gutes Stück näher gerückt sei. 

Abgeschlossen ist die Sache aber noch nicht. Sobald eine noch anstehende notarielle Beurkundung für die Sicherstellung eines Kanalisationsrechts zwischen privaten Grundeigentümerschaften vollzogen worden ist, werden der Quartierplan und der private Gestaltungsplan der kantonalen Baudirektion zur Genehmigung eingereicht.

Sobald diese vorliegt, legt die Stadt die Planungen, den Beschluss des Stadtrats und den Genehmigungsentscheid für dreissig Tage öffentlich auf. (tac)

Chronologie des Quartierplans Mattacker-Mühle

18. Oktober 2000: Der Gemeinderat leitet das Quartierplanverfahren ein und verfügt einen Quartierplanbann.

30. Oktober 2001: Die Stadt teilt den Grundeigentümern mit, man erwarte, dass der Anschluss des Quartierplangebietes an die Rapperswilerstrasse noch im Laufe dieses Winters geklärt werden soll.

2. Juli 2003: Die Grundeigentümer werden informiert, dass es bei der Frage der Erschliessung zu Verzögerungen kommt.

19. November 2007: Die Stadt informiert, dass das Quartierplanverfahren wegen Problemen im Zusammenhang mit dem Strassenanschluss sistiert wird.

19. August 2009: Der Gemeinderat hebt die Sistierung des Quartierplanverfahrens wieder auf. Eine erste Grundeigentümerversammlung wird fürs erste Quartal 2010 in Aussicht gestellt.

12. Oktober 2017: Familie Attiger erhebt Rechtsverweigerungsbeschwerde gegen den Stadtrat Wetzikon beim Baurekursgericht des Kantons Zürich.

10. November 2017: Der Stadtrat beantragt, der Rechtsverweigerungsrekurs sei abzuweisen.

15. Mai 2018: Die erste Grundeigentümerversammlung findet statt.

24. Oktober 2018: Das Baurekursgericht verfügt, dass die zweite Grundeigentümerversammlung bis Mitte 2019 durchgeführt werden muss.

Dezember 2019: Die Stadt informiert, dass die zweite Grundeigentümerversammlung erst im Februar 2021 stattfinden soll.

29. Juni 2020: Die Stadt teilt mit, es sei derzeit nicht möglich, einen verbindlichen Termin für die zweite Grundeigentümerversammlung zu nennen.

Kommentar schreiben