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Wissenschafts-Workshop in Uster

Primarschüler blicken in die geologische Vergangenheit

Am Mittwochnachmittag durften Ustermer Primarschüler in der Stadtbibliothek mit einer Forscherin aus dem «Science Lab» der Universität Zürich auf Spurensuche gehen. Sie erhielten dabei Einblicke in frühere biologische Gegebenheiten.

Luca
Da Rugna
Mittwoch, 22. Juni 2022, 18:00 Uhr Wissenschafts-Workshop in Uster

Weil sogenannte «Mint»-Themen wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik im Lehrplan eine immer grössere Rolle spielen, widmet sich die Stadtbibliothek Uster gemeinsam mit dem «Science Lab» der Universität Zürich eine ganze Woche lang diesen zukunftsweisenden Bildungsbereichen.

Ein Workshop sollte bewirken, dass sich junge Menschen vielleicht eines Tages dazu entscheiden, einen Beruf im Bereich der Naturwissenschaft zu ergreifen. Deshalb verwandelte sich die Stadtbibliothek als Ort der Stille für einmal zu einem kleinen Labor, in dem getüftelt wurde.

«Ich beschäftige mich mit allem, was mindestens 10'000 Jahre zurückliegt.»
Melanie Geier, Paläontologin

Während des Workshops konnten 22 Primarschülerinnen und Primarschüler in die geologische Vergangenheit schauen. Die theoretischen wie praktischen Teile des Mittwochnachmittags wurden von der Forscherin und Paläontologin Melanie Geier geleitet. Sie ist eine Expertin für die geologische Vergangenheit. «Ich beschäftige mich mit allem, was mindestens 10'000 Jahre zurückliegt.»

«Versteinerte Dinge»

In ihrem Vortrag geht Geier zunächst auf die Bedeutung von Fossilien ein.  Die Schüler reden ohne Vorkenntnisse zuerst von versteinerten Dingen. Von Dinosauriern wird besonders oft gesprochen. Gemäss Definition sind Fossilien Überreste von Pflanzen oder Tieren, die älter als 10'000 Jahre sind. «Auch Fussabdrücke von Dinosauriern zählen zu den Spurenfossilien», fügt Geier hinzu.

Keinerlei Sauerstoff und nur wenige Bakterien führen erst dazu, dass Fossilien unter der Erdoberfläche entstehen können. Der Druck der Erdschichten auf und rund um ein verwesendes Tier oder eine Pflanze sorgt über tausende von Jahren zu diesem biologischen Entstehungsprozess.

Der praktische Teil beim Fossilien-Giessen war bei den Schülern beliebter als die Theorie.

Raten und Ertasten

Zu einem späteren Zeitpunkt konnten die kleinen, vielleicht künftigen Forscher in Säckchen verpackte Fossilien ertasten. «Findet ihr heraus, ob es sich um einen Seeigel, einen Ammoniten, eine Brachiopode, einen Belemniten oder eine Muschel handelt», fragt Geier. Eifrig wird geraten und abgetastet. Manche Antworten sind richtig, manche weichen etwas ab. Die Worte «rillig» und «schuppig» fallen am meisten.

Die Krux ist, dass ein Brachiopode wie eine Muschel aussieht, doch keine Muschel ist. Deshalb die vielen gleichen Antworten. Die Muschel unterscheidet sich von dem Brachiopoden nämlich dadurch, dass sie zwei gleich grosse Klappen besitzt und eine andere Symmetrieebene wie der Brachiopode aufweist. Ein Ammonit wiederum sieht aus wie eine Schnecke, doch ist keine.

«Einfach gesagt, sahen Ammoniten aus wie Tintenfische mit einem Gehäuse - sie gehören zur Gruppe der Kopffüsser, auch Cephalopoden genannt.»
Melanie Geier, Paläontologin

«Einfach gesagt, sahen Ammoniten aus wie Tintenfische mit einem Gehäuse - sie gehören zur Gruppe der Kopffüsser, auch Cephalopoden genannt.» Sie verfügten zwar über keine Tinte, doch hatten ein Gehäuse, das dem Schutz und der Fortbewegung diente.

Wobei die Ammoniten in der Stadtbibliothek gut in einer Kinderhand Platz haben, war der grösste Ammonit, der je gefunden wurde, grösser als mancher Mensch. «Er war 1,8 Meter gross und 3,5 Tonnen schwer», meint Geier. Die höchsten Schätzungen der jungen Schülerinnen und Schüler lagen maximal gerade einmal bei zwei Armlängen.

Weiter erklärte die Forscherin, was es mit dem kleinen Ding auf sich hat, das wie eine Patrone aussieht. «Hierbei handelt es sich um einen Teil eines Belemniten. Man nennt dieses fossilisierte Skelett-Element auch Donnerkeil.» Belemniten sehen aus wie längliche Tintenfische und haben auch ein Gehäuse, wie die Ammoniten.

Schneller geht’s nicht

Nach dem theoretischen Teil durften die 22 interessierten Schüler praktizieren. Mit Knetmasse werden in Vierer-Gruppen Kugeln geformt. Dann wird die Kugel flach eingedrückt, dass ein Ammonit darin Platz hat, um einen Abguss zu fertigen.  Die eine Hälfte des einstigen Tieres wird sorgfältig mit Fett bestrichen. Daraufhin wird ein Ammonit in die Masse gedrückt, sodass nur noch die halbe Oberfläche sichtbar ist.

Nach dem Abdruck wird Gips angerührt und in die Form gegossen – und schon sind an diesem Nachmittag für einmal mehrere Fossilien nicht unter der Erdoberfläche über tausende von Jahren, sondern in wenigen Minuten in der Stadtbibliothek entstanden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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