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Reorganisation der Liegenschaftenabteilung

Aufruhr unter Gossauer Hauswarten

Die Gemeinde Gossau organisiert die Liegenschaftenabteilung neu. Dies beunruhigt die Hauswarte und andere Betroffene.

Annette
Saloma
Mittwoch, 28. Juli 2021, 11:45 Uhr Reorganisation der Liegenschaftenabteilung

Der Job des Schulhauswarts, der morgens die Schulanlage öffnet, tagsüber den Betrieb überwacht, für Sauberkeit sorgt, abends abschliesst und nachts noch Pikettdienst leistet – diesen Job gibt es in Gossau bald nicht mehr.

Die Gemeinde hat im Frühling eine Reorganisation der Liegenschaftenabteilung beschlossen. Der Prozess beschränkt sich nicht nur auf Schulhäuser, sondern bezieht alle Liegenschaften und Objekte mit ein, die der Gemeinde gehören oder durch diese betrieben werden. Wie beispielsweise das Gemeindehaus, Sportanlagen und alle Bäder.

30 Angestellte betroffen

Insgesamt sind rund 30 Angestellte von der Reorganisation betroffen. Bei rund einem Drittel dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führt dies zu neuen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, die vom aktuellen Stellenbeschrieb abweichen.

Der Grund: «Der Betrieb dieser Liegenschaften und Objekte verlangt heute eine Betreuung rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche», sagt Thomas-Peter Binder, Gemeindeschreiber von Gossau. «Dieser Anspruch sprengt klar den Arbeitsumfang ein- und derselben Ansprechperson.»

Zudem entspreche eine Standortgebundenheit nicht mehr den aktuellen Anforderungen, Bedürfnissen und der erforderlichen Flexibilität. «Unser Ziel ist es, die zeit- und sachgerechte Bereitstellung und Nutzung, die effiziente Bewirtschaftung und den Werterhalt der Liegenschaften der Gemeinde sicherzustellen.»

Fachspezialisten statt Alleskönner

Nach dem Willen der Gemeinde erhält jedes Aufgabengebiet fixe Ansprechpartner. Künftig ist der Hauswart dann nicht mehr für nur eine Liegenschaft zuständig, sondern prinzipiell überall einsetzbar.

Binder erklärt anhand von einem Beispiel: «Jahrzehntelang kontrollierte ein Badmeister die Wasserqualität, schnitt die Büsche, betreute die Gäste und reinigte die Garderoben. Neu kann es sein, dass er im Bereich Wasserqualität entlastet wird, weil es dafür eine zuständige Fachperson gibt, die die Wasserqualität nun bei allen Schwimmbädern prüft.»

Genauso sei es bei anderen Fachrichtungen wie Garten- oder Raumpflege. «Es ist sinnvoll, die Fähigkeiten der einzelnen Mitarbeitenden optimal und zielgerichtet einzusetzen.»

Grosse Verunsicherung bei Betroffenen

Bei den Betroffenen hingegen ist die Verunsicherung gross. «Ich liebe meinen Job und möchte meine Stelle in dieser Form behalten», sagt ein Hauswart, der anonym bleiben will. Er schätze seinen Arbeitgeber sehr, aber aus seiner Sicht sei das Ganze eine Fehlentscheidung.

Heute trage er Verantwortung für einen ganzen Gebäudekomplex, was ihn nicht etwa überfordere, sondern stolz mache. «Ich mache von A bis Z alles selber und pflege eine gute und enge Beziehung zu den Benutzern der Liegenschaft. Das ist essentiell, um diesen Job auszuüben und nicht möglich, wenn plötzlich verschiedene Leute zuständig sind.»

Zudem befürchtet er Abstriche bei der Vielfalt seines Jobs. «Ich bin auch sicher, dass die Qualität leiden wird.»

Besorgnis bei Eltern

Auch manche Eltern sehen der Veränderung mit Sorge entgegen. In erster Linie störe sie, dass die Gemeinde diese bis jetzt nicht offen kommuniziert habe. Man habe sogar Kontakt mit der Liegenschaftenabteilung aufgenommen, wo man aber ohne Antworten abgewiesen worden sei.

«Viele von uns sind empört und aufgebracht. Neben vielen Fragen die diese Umstellung mit sich bringen wird, ist offen, weshalb daraus von Seite Gemeinde regelrecht ein Geheimnis gemacht wird. Keine Kommunikation gibt viel Raum für Spekulationen, Ängste, Frust und Wut», heisst es in einer Mitteilung, die Eltern, die anonym bleiben wollen, auf Anfrage von «Züriost» geschrieben haben. 

Was sie zusätzlich beschäftigt: «Durch die zahlreichen Mitarbeiter gehen immer wieder andere Leute in den Schulhäusern und Kindergärten ein und aus. Für die Kinder ist nicht ersichtlich, welche Leute fremd sind und welche hier ihren Job machen.»

Der Schulhauswart spiele in vielen Schulhäusern auch eine wichtige pädagogische Rolle. «Dies wird von den Kindern, von den Lehrpersonen und von den Eltern enorm geschätzt. Ausserdem erleichtert es den Kindern den Wechsel aus dem Kindergarten in die Schule, dass bereits eine erwachsene Person vor Ort ist, den sie bereits gut kennen», heisst es weiter.

Verständnis der Gemeinde

Bei der Gemeinde hat man für die Skepsis der Betroffenen Verständnis. «Reorganisationen bringen vielfach einen Abschied von teilweise jahrelangen Gewohnheiten und verlangen von den Betroffenen einiges an Anpassungsvermögen», sagt Binder.

Die Gemeinde habe sich sehr sorgfältig mit den Auswirkungen der Reorganisation befasst und wie die davon betroffenen Bereiche von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden können. Die Bedenken der Eltern seien unbegründet.

«Vor allem bei den Aussenanlagen, wo der Kontakt zu den Kindern am meisten stattfindet, werden die Arbeiten meist in einem Teamverbund geplant. Allfällige Wechsel an dieser Schnittstelle bleiben somit unter Kontrolle», so Binder weiter. Reparaturen in WC-Anlagen, den Badeanlagen und Garderoben fänden wie bisher auch zukünftig ausserhalb der Nutzungszeiten statt.

Der ganze Prozess der Reorganisation laufe bis am 1. August 2021. Nicht alles sei neu. Gewisse Aufgabengebiete und Zuständigkeiten seien schon länger laufend den Bedürfnissen angepasst worden. «Jetzt schliessen wir ab, und die Gemeinde steht mit den Mitarbeitenden in engem Austausch, um für alle eine gute, persönliche Lösung zu suchen.» Alle von der Reorganisation Betroffenen könnten damit rechnen, ihre Anstellung bei der Gemeinde zu behalten.

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