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Langjähriger Schulleiter in Wetzikon

Fredy Rau geht nach 43 Jahren als Schulleiter und Lehrer in Pension

Fredy Rau kam 1982 als Lehrer zur Sekundarschule Wetzikon. Heute verlässt er sie als langjähriger Schulleiter. Der Hinwiler erinnert sich an seine Anfangszeiten, als es noch keine Schulleitung gab, Schulstufen strikt getrennt waren und Lehrpläne nur Schulstoff enthielten.

Carolin
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Sonntag, 18. Juli 2021, 10:24 Uhr Langjähriger Schulleiter in Wetzikon
Fredy Rau aus Hinwil hört nach 39 Jahren an der Schule Wetzikon auf.
PD

Kurz vor den Sommerferien sind die Gänge der Sekundarschule Walenbach in Wetzikon noch sehr belebt. Inmitten von Schülern, die nach der Pause in ihre Klassenzimmer drängen, schreitet auch Schulleiter Fredy Rau zu seinem Büro. Nichts in dem Raum lässt darauf schliessen, dass Rau gerade seine 39 Jahre an der Schule Wetzikon in Kisten packt und in Pension geht.

Rau wirkt gefasst, während er seine Zeit als Lehrer und Schulleiter Revue passieren lässt. «Das Wehmutsgefühl kommt wahrscheinlich, wenn mein erster Arbeitstag nach den Sommerferien anbricht. Dann würde ich mich normalerweise auf mein Velo setzen und nach Wetzikon fahren. Und das werde ich dieses Mal nicht tun.» Allerdings falle mit der Pensionierung auch die Last einer grossen Verantwortung von seinen Schultern  was gut tue.

«Die Schulen haben ihren heutigen Aufbau mit Schulleitung, -pflege und Lehrkörper gewissermassen selber erfunden.»

Fredy Rau, Schulleiter Wetzikon

Seine Karriere begann 1977 als Reallehrer an der Sekundarschule Hinwil – da war er gerade mal 21 Jahre alt. Eigentlich hatte er das Primarschulseminar besucht, liess sich jedoch später zum Real- und Oberstufenlehrer umbilden  das damalige Äquivalent zur Sekundarstufe B. Sein Wechsel zur Schule Wetzikon erfolgte 1982.

Rau erinnert sich noch gut daran, dass in seiner Anfangszeit in Wetzikon eine starke Trennung zwischen den Schulstufen bestand. «Ein Gebäude war für die Realschüler und das andere für die Sekundarschüler A. Die Lehrer trugen sogar verschiedenfarbige Kittel zur Abgrenzung.» Rau schüttelt ungläubig den Kopf, während er in der Vergangenheit schwelgt. Damals hätten einzelne Kommissionen entschieden, wo es lang ging. «Gerade junge Lehrer wie ich hatten null Einfluss.» Jede Lehrperson habe völlig individuell gearbeitet und man habe sich sogar gegenseitig gesiezt.

Im Jahr 1994 bezogen die Real- und Sekundarschüler das neue Gebäude an der Wallenbachstrasse. Dort habe sich die alte Ordnung langsam aufgelöst. «Die verschiedenen Stufen sind miteinander verschmolzen und alle Lehrpersonen haben die gleichen Rechte und Pflichten erhalten», erzählt der 65-Jährige.

Vom Schulstoff zu Kompetenzen

Raus Zeit als Klassenlehrer sollte bald zu Ende gehen. Um 2000 entschloss sich die Schule, an einem Projekt zur teilautonomen Volksschule teilzunehmen. Als eine von rund 60 Schulen durfte sie ein neues Schulmodell austesten, das erstmals eine Schulleitung vorsah. «Die Schulen haben ihren heutigen Aufbau mit Schulleitung, -pflege und Lehrkörper also gewissermassen selber erfunden», sagt Rau.

Der Hinwiler hat zusammen mit einem weiteren Sekundarlehrer, Markus Grab, die Aufgaben des Schulleiters übernommen. «Zum ersten Mal hat es so etwas wie eine gemeinsame Jahresplanung und ein Schulprogramm gegeben», erzählt er. Damals sei das Amt noch in zwei Schullektionen umsetzbar gewesen – heute ist es ein Vollzeitjob.

Rau war am Lehrplan 1990 beteiligt: «Der war noch dicker als der heutige – der immer noch zu dick ist.» Damals wurde der Schulstoff akribisch vorgeschrieben, erinnert sich Rau. Der Lehrplan 2021 sehe hingegen vor, dass die Kinder gewisse Kompetenzen erwerben, um neues Wissen selber erarbeiten zu können. Ausserdem werde der Schulstoff zunehmend individualisiert.

Für die Jugendlichen da sein

Während des Gesprächs klopfen hin und wieder Schüler und Lehrpersonen an, die den Schulleiter sprechen möchten. «Sie sind sich gewohnt, dass ich meine Türe offen lasse», erklärt Rau. Bei ihm dürfe man jeder Zeit vorbeikommen – er unterbreche dann seine Arbeit.

Rau hat so einige Schülerinnen und Schüler kommen und gehen sehen. Allein in seinen Jahren als Lehrer unterrichtete er zehn Klassen und damit über 200 Schulkinder. «Viele verstanden damals nicht, wieso ich zum Schulleiter umgesattelt habe», so Rau. «Mir war es immer am wichtigsten, für die Jugendlichen da zu sein. Als Schulleiter konnte ich zehnmal so viele Schulkinder unterstützen wie als Lehrperson.»

Der Hinwiler entschied vor zwei Jahren, sein Amt als Schulleiter abzugeben. «Ich wusste damals, dass es mir auch zwei Jahre später noch genau gleich schwer fallen würde, zu gehen.» Die Zeit nutzte Rau, um seinen Nachfolger Peter Reinhardt zu finden und einzuarbeiten. Ein Pensum von fünf Prozent wird er beibehalten, um dem neuen Schulleiter bei Fragen beratend zur Seite zu stehen.

«Wir müssen so lernbereit sein wie unsere Schüler.» 

Fredy Rau

In den vergangenen Monaten habe sich die Schule mit der zunehmenden Digitalisierung, dem Fernlernen, Schutzmassnahmen und dem Ausfall von Schulereignissen stark gewandelt. In dieser schwierigen Situation hätte Rau die Schule gerne weiter unterstützt. «Hätte ich gewusst, was für Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die Schule haben würde, hätte ich nicht aufgehört», sagt Rau.

Schon in wenigen Tagen geht der Hinwiler jedoch in Pension. «Ich werde sicher mehr Sport treiben und mich um handwerkliche Sachen kümmern, die zu Hause liegen geblieben sind», sagt er. Ausserdem besitzt Rau vier Pferde. «Nicht zuletzt freue ich mich auf mehr Zeit mit der Familie», sagt Rau. Seine Ehefrau unterrichtete ebenfalls an der Schule Wetzikon, bevor sie pensioniert wurde. Auch zwei seiner Kinder haben an der Schule Wetzikon eine Laufbahn als Lehrperson eingeschlagen.

«Ich hatte zwanzig Jahre Zeit, die Schule so zu formen, wie ich sie mir vorstellte», so Rau. «Die guten Momente waren die, wenn die Jugendlichen aus der Schule raus wuchsen und ihr späteres Leben mit den gewonnen Tools gut meistern konnten.» Ausserdem sei es wichtig, als Schulleiter offen zu sein für Neues und die eigenen Haltungen und Handlungen stetig zu reflektieren. «Wir müssen so lernbereit sein wie unsere Schüler.»

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