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Nur teure Modelle geknackt

Dreiste Diebstähle erschrecken Velo- und Töffbesitzer

In Wetzikon und Bäretswil wurden in den letzten zwei Wochen gleich reihenweise teure Velos und Motorräder geklaut. Über die Täter ist nichts bekannt. Der Frust bei den Besitzern sitzt tief.

Patrizia
Legnini
Samstag, 17. Juli 2021, 18:20 Uhr Nur teure Modelle geknackt

Als Andreas Schnyder aus Bäretswil am Montagmorgen letzter Woche um etwa sieben Uhr vor sein Haus trat, traute er seinen Augen nicht: Von den beiden E-Bikes, die er auf seinem Sitzplatz am vorderen Rad aneinander gekettet hatte, fehlte jede Spur. Und auch der Kinderanhänger, der an einem der Velos befestigt war, war verschwunden. «Unsere Kinder schlugen zuerst Alarm. Wir dachten zuerst aber an einen Scherz», sagt Schnyder.

Dass er nicht der einzige war, der an jenem Morgen an der Zelglistrasse erfolglos sein Velo suchte, ahnte der 48-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Tatsächlich erlebten gleich mehrere Nachbarn dasselbe. So etwa Daniela Schoch, die mit ihrer Familie ebenfalls dort wohnt. «Vom E-Bike meines Mannes fehlte das Ladegerät», sagt sie. «Und mein E-Bike war ganz weg.»

Dass es fehlte, war ihrem Mann schon morgens um vier Uhr aufgefallen, als er sich auf den Weg zur Arbeit gemacht hatte. Da dachte er allerdings noch, dass seine Frau es vielleicht anderswo parkiert hatte. «Seltsam war aber, dass der Veloanhänger abgehängt worden war und noch dort stand. Und so kam mein Mann um sieben Uhr nochmals nach Hause.»

Laut Schnyder sind in jener Nacht alleine an der Zelglistrasse in Bäretswil etwa zehn E-Bikes gestohlen worden, ohne dass irgendjemand etwas gehört oder gesehen hätte.

«Die Vorstellung, dass auf unserem Sitzplatz fremde Leute waren, wühlt einen noch mehr auf.»

Andreas Schnyder, Bäretswil

Alle waren recht neu, und bei allen handelte es sich um besonders gute, teure Modelle.

«Mein Velo stand abgeschlossen auf dem Carport, direkt unter unserem Schlafzimmer», sagt Schoch. Sie glaubt, dass das noch teurere E-Bike ihres Mannes dort stehengelassen wurde, weil bei seinem Modell ein Diebstahlschutz mit GPS-Tracker und SIM-Karte eingebaut war. «Das wussten die Diebe sicher. Wir hätten automatisch einen Handy-Alarm bekommen und erfahren, wo sich das Velo befindet.» Der Gedanke, dass die Unbekannten wussten, wo welches Fahrrad zu holen war, beängstigt sie. «Das ist so dreist. Die müssen das Quartier doch vorher ausgekundschaftet haben.»

Über den Zaun gehoben?

Schnyder schätzt den Wert seiner eineinhalbjährigen E-Bikes mitsamt Anhänger auf 8000 Franken. Doch er ärgert sich nicht nur über den materiellen Verlust. «Die Vorstellung, dass auf unserem Sitzplatz fremde Leute waren, wühlt einen noch mehr auf», sagt er. Weil das Gartentor am Morgen geschlossen war, geht er davon aus, dass die Diebe die aneinander geketteten Velos samt Anhänger über den Zaun gehoben haben.

Schon letztes Jahr sorgten mehrere Velodiebstähle in Wetzikon für Aufregung. Und auch diesmal liegt die Vermutung, dass hinter den Diebstählen eine professionell agierende Bande stecken könnte, nahe. Am selben Wochenende und ein paar Wochen zuvor wurden nämlich auch in Wetzikon und Uster wieder mehrere Velos sowie ein Motorrad geklaut. Das zeigen verschiedene Beiträge auf Facebook. «Wer dieses Velo sieht, bitte melden» schreibt etwa Michael Beerli über das Foto seines orange leuchtenden E-Bikes auf Facebook. Und weiter: «Es wurde mir heute Nacht gestohlen an der Hofstrasse!»

Viele Bestohlene machen ihrem Ärger auf Facebook Luft. So auch Mischa Krauer aus Wetzikon. (Screenshot: Facebook)

Am Telefon erzählt der 42-Jährige, dass er am Samstag nur schnell von Campingferien mit einem gemieteten Wohnmobil nach Hause gekommen war, um seine Freundin abzuholen. Schon am Sonntag wollten die beiden zusammen mit ihren Velos wieder Richtung Süddeutschland aufbrechen. «Mein E-Bike war auf dem Heckträger des Campers befestigt, den ich über Nacht am Strassenrand abstellte», sagt Beerli. Am nächsten Morgen war das 5000 Franken teure Modell verschwunden.

Gleich dreifach beklaut

Gleich zwei Mal einen riesigen Frust erlebt hat auch der Wetziker Mischa Krauer, der seinem Ärger ebenfalls auf Facebook Luft macht. Ende Mai wurden die beiden Mountainbikes von ihm und seiner Freundin geklaut – am helllichten Tage, direkt aus der Tiefgarage ihrer Wohnüberbauung an der Tobelackerstrasse.

«Die Velos aus Carbon hatten je etwa 4000 Franken gekostet. Ich hatte sie mit der Stahlschlaufe des Veloständers gesichert, der zuhinterst in unserer Tiefgarage steht», erzählt der 30-Jährige. Er glaubt, dass die Diebe mit einem Transporter in die Garage gefahren sind und die Velos mit einem grossen Schneidewerkzeug vom Veloständer lösten.

Die Polizei hat die Garage ihm zufolge nach dem Vorfall nicht inspiziert. Und auch die Verwaltung habe darauf verzichtet, die anderen Mieter zu informieren. Weil Krauer aber befürchtete, dass die Diebe zurückkommen und auch noch sein Motorrad holen würden, das am selben Ort parkiert ist, kaufte er sich eine schwere Chromstahlkette und sicherte den Töff damit zusätzlich am Veloständer.

«Ich hatte es eigentlich kommen sehen, aber ich konnte mir nicht selber helfen. Ich konnte den Töff ja nicht in die Wohnung mitnehmen.»

Mischa Krauer, Wetzikon

Darüber hinaus war das Motorrad nicht nur mit einer Lenkersperrung, sondern auch mit einer Alarmanlage ausgerüstet. An einem Montagabend Ende Juni, als das halbe Land für den EM-Match der Schweiz gegen Frankreich vor dem Fernseher sass, oder in der darauffolgenden Nacht, schlugen die Diebe noch einmal zu: Sie holten sich auch Krauers Töff.

«Ich war schockiert. Ich hatte es eigentlich kommen sehen, aber ich konnte mir nicht selber helfen. Ich konnte den Töff ja nicht in die Wohnung mitnehmen», sagt er. «Das einzige, was ich tun konnte, war, ihn noch besser anzuketten. Aber auch das hat nichts genützt. Weil ich jetzt alle Mieter informiert habe, bleibt der Veloständer in der hinteren Garagenecke seit dem Vorfall leer. Niemand will sein Velo noch dort parkieren.»

Velos besser einschliessen

Seine Versicherung habe keine Freude an den drei Diebstählen, so Krauer. Und er selber ärgert sich am allermeisten darüber, «dass die Diebe quasi freie Hand haben». Nach dem zweiten Diebstahl sei die Polizei dann doch noch gekommen und habe in der Garage Reifenspuren eines Transporters gesichtet. Er selber sei zu einer Einvernahme eingeladen worden.

Die Kantonspolizei bestätigt auf Anfrage, dass am ersten Juliwochenende in Wetzikon zwei Fahrrad- und drei Motorradentwendungen zur Anzeige gebracht und in Bäretswil sieben Fahrradentwendungen bekannt wurden. Gemäss Mediensprecher Mark Rindlisbacher wurden die Anzeigen entgegengenommen und die Ermittlungen eingeleitet. Auf die Frage, ob die Polizei eine Spur zu den Tätern hat oder in den betroffenen Quartieren jetzt mehr Kontrollen durchführt, kann er nichts sagen - da es sich um laufende Ermittlungen handle, könne man über die weiteren Schritte keine Auskünfte geben.

Rindlisbacher empfiehlt, Zweiräder sicher abzuschliessen oder einzuschliessen. Ist ein Zweirad entwendet worden, sollten bei der Anzeigeerstattung Fahrzeugangaben wie Rahmennummer, spezielle Merkmale, Zubehör- und Anbauteile bekannt sein. Dadurch liessen sich sichergestellte und aufgefundene Zweiräder zuordnen und vermitteln.

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