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Ein süsses Hobby

Beim Imkern geben die Bienen den Takt vor

Imkerei als Hobby zu betreiben, liegt schon seit einigen Jahren im Trend. Was Neueinsteiger beim Start mit der Bienenzucht beachten müssen, weiss Werner Huber aus Gossau. Er hat sich schon in den 1990er Jahren den Bienen verschrieben.

Sebastian
Schuler
Montag, 26. April 2021, 09:30 Uhr Ein süsses Hobby

Dieser Beitrag wurde in der Verlagsbeilage «50Plus» veröffentlicht, die am 21. April mit dem «Zürcher Oberländer» und dem «Anzeiger von Uster» erschienen ist.

Es summt und brummt beim alten Bauwagen am Waldrand oberhalb des Greifensees zwischen Maur und Mönchaltorf. Im Sekundentakt landen die fleissigen Insekten auf den Landebrettern vor den Bienenkästen oder schiessen aus dem Innern heraus und gehen auf Blüten- und Nektarsuche. Der eigenhändig zum Bienenstand umgebaute Bauwagen gehört dem Gossauer Werner Huber. Er hält darin vier Honigbienenvölker. «Wegen der langen und intensiven Kälteperiode sind die Bienen dieses Jahr etwas spät dran. Aber wenn bald die Apfelbäume blühen, geht es dann richtig los», weiss Huber.

Der 79-Jährige begann bereits vor 30 Jahren mit der Imkerei. «Ich habe mich schon immer sehr für die Natur interessiert und hatte mir deshalb vorgenommen, nach meiner Pensionierung einen Imkerkurs zu besuchen», sagt Huber, der damals als Elektroingenieur arbeitete. Doch bewegten ihn unsichere Zeiten in der Firma dazu, den Kurs schon früher zu besuchen, und so fand er in der Bienenzucht seine Leidenschaft. Drei Jahre nach dem Kurs konnte Huber in Dübendorf seinen ersten Bienenstand übernehmen und trat dem Imkerverein Bezirk Uster bei, wo er auch bei Grundkursen für Neuimkerinnen und Neuimker mitgeholfen hat.

Der zum Bienenstand umgebaute Bauwagen beherbergt momentan vier Bienenvölker (Foto: Sebastian Schuler).

Beim Grundkurs, der auf 18 Halbtage verteilt ist und über zwei Jahre dauert, lernen angehende Bienenzüchterinnen und Bienenzüchter, wie sie erfolgreich eigene Völker aufbauen, pflegen, überwintern und im neuen Jahr durch die Schwarmzeit bringen können. Die Kurse finden beim vereinseigenen Lehrbienenstand statt, wo das vermittelte Wissen direkt an den dort untergebrachten Bienenvölkern gezeigt und erprobt werden kann. Vorkenntnisse, um am Kurs teilzunehmen, müssen laut Huber keine vorhanden sein, und andere Voraussetzungen gibt es auch nur wenige. «Eine Allergie gegen das Bienengift ist sicherlich etwas problematisch, da man Stiche nicht immer vermeiden kann. Man sollte auch genügend Zeit investieren können», sagt Huber.

Arbeitsintensive Sommermonate

Die Imkerei erfreut sich laut Huber seit den 2000er Jahren einer wachsenden Beliebtheit, und die Zahl der Bienenzüchterinnen und Bienenzüchter steigt gleichzeitig mit der Anzahl Honigbienenvölker. Das gesteigerte Interesse erklärt sich der Imker durch einen bewussteren Umgang mit der Natur, und auch die gesteigerte Nachfrage nach Bioprodukten brachte viele Leute zum Imkern. Während heute auch immer mehr Frauen sich der Bienenzucht annehmen, waren es früher vor allem die älteren Bauern, die nach der Übergabe des Hofs an die Nachfahren Bienen hielten. Da heutzutage aber der Hof nicht immer weitergegeben werden kann, fehlt den Bauern die Zeit fürs Imkern.

Denn die arbeitsintensivste Zeit fällt in der Bienenzucht wie auch in der Landwirtschaft in die Monate April bis August. Die Arbeiten zur Pflege des Volks können nicht geplant werden, sondern müssen dann erfolgen, wenn es die Entwicklung der Bienen erfordert. Längeres Verreisen während der Sommerferien ist deshalb mit der Imkerei nicht wirklich vereinbar. «Wenn ein befreundeter Imker anbietet, sich um die Bienen zu kümmern, liegen aber ein bis zwei Wochen Ferien sicher drin», sagt Huber. Neben Zeit muss bei der Bienenzucht, zumindest zu Beginn, auch Geld investiert werden. Denn bereits nach dem ersten Jahr des Grundkurses wird den angehenden Imkerinnen und Imkern angeraten, sich das erste Bienenvolk oder gar die ersten Völker anzuschaffen. Samt Bienenkästen, der Ausrüstung und den Kosten für den Grundkurs muss deshalb zu Beginn mit einer Investition im unteren vierstelligen Bereich gerechnet werden.

Tödliche Seuchen

Manchmal ergibt sich auch die Möglichkeit, einen kompletten Bienenstand zu übernehmen. Das bringt zudem den Vorteil, dass die Vorgängerin oder der Vorgänger meist noch ein Jahr als Gotte oder Götti beratend zur Seite steht. Man könne nämlich noch so viele Bücher und Artikel über die Bienenzucht lesen, in der Praxis sei es meist ein wenig anders, weiss Huber. «Man sagt, dass man erst nach zehn Jahren Imkerei den Dreh mit den Bienen wirklich raushat.» Es gelte daher, Erfahrung zu sammeln und von Erfahrung zu profitieren.

Werner Huber hält schon seit 30 Jahren Honigbienen (Foto: Sebastian Schuler).

Trotz 30-jähriger Erfahrung ist auch Huber nicht davor gefeit, dass sich bei seinen Bienen eine Seuche ausbreitet. Im letzten Jahr hatten sich wie bei vielen Bienenständen in der Region mehrere seiner Völker mit der bakteriellen Krankheit Faul- und Sauerbrut angesteckt. Die erkrankten Bienenlarven verfärben sich und sterben dabei, noch bevor die Brutzellen von den Bienen mit Wachs verschlossen werden. So bringt die Krankheit letztlich das ganze Bienenvolk zum Absterben. Wenn bei einem Volk die Krankheit festgestellt wird, gilt es, schnell zu handeln. «Der Bienenstock eines erkrankten, schwachen Volks wird von den gesunden Völkern geplündert, wodurch auch die Krankheit verschleppt wird», sagt Huber. Die erkrankten Völker mussten deshalb vom Bieneninspektor getötet werden. Ihm sei es dann schon an die Nieren gegangen, als seine getöteten Bienen in die Verbrennungsanlage geschaufelt worden seien.

Honig mit Beigeschmack

Das Sperrgebiet, das wegen des Ausbruchs der Faul- und Sauerbrut rund um den Greifensee errichtet wurde, ist mittlerweile wieder aufgehoben, und auch Hubers übrig gebliebene Bienenvölker sind wohlauf. Die erste Honigernte erwartet er Mitte Mai. Bei der Ernte ist darauf zu achten, dass man den Bienen nur so viel Honig wegnimmt, dass sie noch genügend Futter haben. So kann man pro Volk mit 10 bis 15 Kilogramm pro Jahr rechnen. Für das Schleudern der Waben hat Huber eine eigene Honigschleuder bei sich zu Hause in der Waschküche. Da der Honig schnell Gerüche annimmt, schaut er jeweils penibel darauf, dass im Raum alles abgedeckt ist. «Sonst hat man plötzlich einen Honig, der nach Waschmittel schmeckt», sagt Huber und lacht.

Auch wenn es den Honigbienen dank dem gesteigerten Interesse an der Imkerei heute sehr gut geht, kann man das von den Wildbienen nicht sagen. Die solitär lebenden Insekten leiden unter der Verdrängung ihrer Nistmöglichkeiten, unter Monokulturen und dem Einsatz von Pestiziden, die zwar nicht gegen sie eingesetzt werden, aber dennoch gegen sie wirken. Deshalb wünscht sich Huber, dass das Interesse an der Bienenzucht auch den Wildbienen hilft. Denn einige Pflanzen werden nur von Wildbienen bestäubt, und so leisten auch sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Natur.