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«#4_Wände»-Beilage

«Es ist immer gut, Energie zu sparen»

Fabian Nager ist Geschäftsführer bei der Glattwerk AG, dem Energieversorger für Dübendorf und Gockhausen. Wie beurteilt der lokale Energieexperte die aktuelle Lage bei der Energieversorgung. Wir haben nachgefragt.

Lennart
Langer
Dienstag, 20. September 2022, 08:00 Uhr «#4_Wände»-Beilage
Porträtfoto von Fabian Nager.
Fabian Nager ist Geschäftsführer des Energieversorgers Glattwerk AG in Dübendorf.
Foto: PD

Dieser Beitrag wurde in der Verlagsbeilage «#4_Wände» veröffentlicht, die am 14. September 2022 mit dem «Zürcher Oberländer» und dem «Anzeiger von Uster» erschienen ist.

Was macht die Lage bezüglich Energieversorgung in diesem Winter so aussergewöhnlich?
Fabian Nager: Es kommen verschiedene Faktoren zusammen. Das Problem, dass in Frankreich Kernkraftwerke ausfallen und in Revision sind, bestand auch in der Vergangenheit immer wieder. Hinzu kommen jedoch die abnehmende Stromproduktion im Vergleich zum Absatz in der Schweiz sowie der aussergewöhnlich trockene Sommer. Der Niederschlag fehlt, wodurch die Wasserstände für die Stromproduktion mit Wasserkraft tief sind. Aussergewöhnlich ist zudem die Kombination mit der unsicheren Gasversorgung aus Russland und mit den im Ausland betriebenen Gaskraftwerken.

Der Bund ist bei einer Strommangellage für die Versorgung zuständig. Inwiefern können sich aber auch lokale Energieversorger wie die Glattwerk AG darauf vorbereiten?
Als lokaler Energieanbieter können wir nur bedingt Massnahmen ergreifen, die einer Energiemangellage entgegenwirken würden. Es ist daher sinnvoll, dass die Sparappelle direkt vom Bund kommen und einheitlich sind. Als Verteilnetzbetreiber müssen wir uns jedoch auf die verschiedenen Worst-Case-Szenarien vorbereiten, um eine Stromkontingentierung oder Abschaltungen reibungslos umsetzen zu können.

Auch Gas könnte knapp werden. Wie beurteilen Sie die Situation aktuell? 
Die Gefahr einer Gasmangellage ist realistischer als jene einer Strommangellage. Die Lage ist akuter. Wir rechnen damit, dass die Gaslieferungen aus Russland ganz eingestellt werden. Die Gasspeicher in Europa sollten zwar gefüllt sein. Das Gas wieder in die Leitungen einzuspeisen, wird aber eine Herausforderung. Man muss sich das Gasnetz wie ein Herz vorstellen, bei dem Gas von einem zentralen Ort von Osten nach Westen in viele sich verzweigende Äderchen gepumpt wird. Kommt nun Gas aus einer anderen Fliessrichtung, also beispielsweise aus einem Speicher, spielen die Leitungskapazitäten eine wichtige Rolle bei der Versorgung. Und nicht zuletzt stellt sich im Ernstfall auch die Solidaritätsfrage zwischen den Ländern.

Warum ist es sinnvoll, wenn die Bevölkerung bereits jetzt beginnt, mit kleineren Sparmassnahmen vorzusorgen? 
Es ist ganz grundsätzlich immer gut, Energie zu sparen. Sie zu verschwenden, ist nie sinnvoll. Darum empfehle ich, die Sparkampagne des Bundesrats zu befolgen. 

Was muss passieren, damit sich solche Energiemangellagen in Zukunft verhindern lassen?
Die Energiestrategie 2050 und die Förderung von erneuerbaren Energien sind sinnvoll. Aber auch der Versorgungssicherheit sollte eine grosse Bedeutung zugemessen werden. Man sollte künftig nochmals über die Bücher gehen und auf weitere unabhängige Stromproduktionsmöglichkeiten in der Schweiz setzen.