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«Frag den Doktor»: Nierenschwäche

«Nierenschwäche kann heimtückisch sein»

Jede zehnte Person in der Schweiz leidet an Nierenschwäche. Eine frühe Abklärung und neue Therapien können helfen, die Prognose positiv zu beeinflussen.

Sebastian
Schuler
Donnerstag, 29. September 2022, 08:00 Uhr «Frag den Doktor»: Nierenschwäche

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem GZO Spital Wetzikon.

Die Nieren leisten täglich Schwerstarbeit und übernehmen viele lebenswichtige Aufgaben für den menschlichen Organismus. «Pro Minute fliesst ein Fünftel des Bluts im Herz-Kreislauf-Volumen durch die Nieren», erklärt Christoph Etter, Ärztlicher Leiter Nephrologie und Dialyse am GZO Spital Wetzikon. Dabei filtern die beiden paarig angelegten Organe Giftstoffe, Salz und überschüssiges Wasser aus dem Körper.

Jeden Tag werden so etwa 180 Liter Primärurin von den Nieren ausgeschieden, wovon ein Grossteil dem Körper wieder zurückgeführt wird. «Je nach Trinkmenge verlassen letztlich ein bis zwei Liter Urin den Körper», erklärt Etter. Daneben regulieren die Nieren auch den PH-Wert des Bluts und den Knochenstoffwechsel und produzieren Hormone für die Blutbildung.

Risikofaktoren abklären lassen

Sind die Nieren in ihrer Funktion eingeschränkt, spricht man von einer Nierenschwäche. «Eine Nierenschwäche ist häufig etwas heimtückisch, denn sie verursacht oft lange Zeit gar keine Beschwerden», sagt der Nephrologe.

In der Schweiz leidet rund jede zehnte Person an einer Nierenschwäche. Verantwortlich für eine Nierenschädigung sind oft Krankheiten wie ein zu hoher Blutdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. «Deshalb ist es wichtig, dass Personen mit diesen Risikofaktoren ihr Blut und ihren Urin regelmässig bei der Hausärztin oder dem Hausarzt auf eine Veränderung der Nierenfunktion untersuchen lassen.» Sollte dabei eine Verschlechterung festgestellt werden, wird die Patientin oder der Patient an die nephrologische Abteilung für weitere Abklärungen zugewiesen. 

Die Behandlung zielt in erster Linie auf die Risikofaktoren für Nierenschwäche ab: «Viele haben Bedenken, dass gewisse Medikamente die Nieren zusätzlich schädigen. Heutzutage gibt es jedoch viele Arzneimittel, die helfen, die Risikofaktoren zu kontrollieren, und die Nieren dabei schützen», sagt Etter. Mit der Therapie soll verhindert werden, dass die Nierenfunktion immer mehr abnimmt.

Verschiedene Nierenersatzverfahren

Sollte es trotz allem zu einer erheblichen Verschlechterung kommen, stehen den Patientinnen und Patienten verschiedene Nierenersatzverfahren zur Verfügung. «Das wahrscheinlich bekannteste ist die Hämodialyse. Dabei wird das Blut durch eine Maschine in einem Dialysezentrum gereinigt», sagt Christoph Etter. Die jeweils vierstündige Behandlung muss dreimal pro Woche durchgeführt werden. «Dazwischen ist ein relativ normaler Alltag möglich.»

Mehr Unabhängigkeit bietet den Patientinnen und Patienten die Bauchfelldialyse, da diese zu Hause durchgeführt werden kann. Da die Patienten jedoch gut instruiert werden und sehr selbständig sein müssen, ist die Methode nicht für alle geeignet.

Christoph Etter ist Ärztlicher Leiter Nephrologie und Dialyse am GZO Spital Wetzikon. (Foto: PD)

Für jüngere und nicht schwer erkrankte Personen bietet sich zudem eine Transplantation an, um von der Dialyse wegzukommen. «In der Schweiz wurden im letzten Jahr etwa 240 Nieren transplantiert, wobei ein Drittel davon Lebendspenden von Angehörigen waren», erklärt Etter.

Aber auch wenn die heutigen Nierenersatzverfahren ein weitgehend normales Leben ermöglichten, sollte es im besten Fall gar nicht erst so weit kommen, betont Nierenspezialist Etter. «Wichtig ist, dass Personen mit Risikofaktoren diese abklären lassen. Mit den aktuellen Therapien kann man so verhindern, dass die Nierenfunktion immer weiter abnimmt.»