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Risse nahe Zürcher Grenze

Es war wohl doch kein Wolf

Wie sind ein Kalb und ein Schaf in Fischingen gestorben? DNA-Analysen können einen Wolfsriss nicht bestätigen.

Redaktion
Tamedia
Freitag, 20. Mai 2022, 18:13 Uhr Risse nahe Zürcher Grenze
Hügelige Landschaft. Am rechte Rand im Anschnitt ein Baum. Sein Stamm und seine Äste rahmen das Bild in die Ferne quasi ein.
Das Hörnli-Berggebiet an der Zürcher Kantonsgrenze gilt als potenzieller Lebensraum für Wölfe. Fischingen liegt in der Nähe.
Foto: Marc Dahinden

 

Die Meldung löste bei Tierhaltern im Zürcher Oberland Besorgnis aus: Ein Wolf habe im thurgauischen Fischingen Anfang Mai vermutlich ein Schaf gerissen. Einige Tage zuvor war in der Nähe der Zürcher Grenze bereits ein Kalb gestorben.

Rissspuren und Pfotenabdrücke beim Schaf deuteten mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Wolf hin, hiess es. Vertiefte Abklärungen, Untersuchungen und DNA-Analysen erhärten diese Vermutung nun aber nicht.

Der Verdacht, dass ein Wolf die Tiere gerissen habe, werde nicht bestätigt, schreibt die Staatskanzlei Thurgau in einer Mitteilung. Auch die Herkunft eines Bildes von einem Wolf, das in den sozialen Medien zirkulierte, konnte nicht verifiziert werden.

Wie die beiden Tiere gestorben sind, bleibt damit offen. «In der Regel können wir Wolfsangriffe mit Rissbild- und DNA-Analysen eindeutig bestätigen», sagt Michael Vogel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Jagd- und Fischereiverwaltung. 100-prozentig ausgeschlossen werden könne ein Wolfsriss auch bei negativem DNA-Nachweis aber nicht.

Klar ist: Am Kalb hatten sich Füchse zu schaffen gemacht. Ob das Tier zu diesem Zeitpunkt schon tot gewesen sei, lasse sich anhand der Proben nicht feststellen. Ein gesundes Kalb würden Füchse jedenfalls nicht angreifen, sagt Vogel weiter. Luchse als Verursacher der Risse könne man hingegen aufgrund der Gesamtanalyse ausschliessen. 

Keine Hinweise auf Hunde

Dafür konnte eine in der Nähe des Schafes gefundene Spur zweifelsfrei Wolfshunden zugeordnet werden, diese hatten gemäss Mitteilung aber nichts mit den Ereignissen zu tun gehabt. Ihre DNA hätte man in den Proben mit grösster Wahrscheinlichkeit gefunden.

Die mutmasslichen Risse «durch ein grosses Raubtier» wurden am Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin (Fiwi) in Bern und mit DNA-Analysen am Laboratoire de Biologie de la Conservation de l’Université de Lausanne untersucht.

Tierhalter im Thurgau und im Kanton Zürich erhielten nach den Rissen eine SMS-Warnung und wurden dazu ermuntert, ihre Nutztiere zu schützen. Im Kanton Zürich oder an der Kantonsgrenze sind immer wieder Wölfe unterwegs, zuletzt in Bonstetten, Niederweningen oder am Irchel bei Freienstein-Teufen. (Rafael Rohner)

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