×
Züriost-Blog

Jetzt retten die Influencerinnen das Militär

Lea
Chiapolini
Mittwoch, 10. März 2021, 11:00 Uhr Züriost-Blog

Pünktlich zum Weltfrauentag hat Bundesrätin Viola Amherd am Montag verkündet, dass eine Dienststelle für Frauen in der Armee geschaffen wird. Diese soll den heutigen Anteil von 0,9 Prozent Frauen in der Armee endlich erhöhen. Neben der Vereinbarkeit von Militärdienst, Ausbildung, Beruf und Familie, die verbessert werden müsse, soll es auch alternative Dienstleistungsmodelle wie etwa Teilzeitdienst geben.

Hier gehts zu allen Züriost-Blogs >>

So weit, so gut. Ich bin für eine Dienstpflicht für Frauen. Wer nach gleichen Rechten schreit, soll auch gleiche Pflichten erfüllen. Ob nun Militär- oder doch ein anderer Dienst sinnvoller ist, sei vorerst dahingestellt.

Viel wichtiger im Moment: Der Projektgruppe schwebt die Schaffung eines Netzwerkes von Influencerinnen vor, die den Militärdienst anpreisen sollen. Ähä. Also Fake-Bilder von Fake-Spass von Fake-Rekrutinnen? Frauen in Vierfruchtpyjamas, die sich für Bilder in Pose schmeissen, sind bei mir eher in der Kategorie Männerfantasie abgespeichert.

Was bräuchte es wohl, damit sich Frau von der Armee begeistern liesse? Eine Hundeführerin, die mit ihrem herzigen Vierbeiner kuschelt? Stylingtipps für die perfekte Frisur unter dem Bèret und damit das Versprechen, im Militär keinen einzigen Bad Hair Day erleben zu müssen? Eine Frau, die mit dem Sturmgewehr ihren Partner beschützt, weil sie jetzt die Hosen in der Beziehung anhat?

Oder doch eine Spur ernsthafter: Eine Soldatin bei einem sozialen Einsatz, bei dem es nicht in erster Linie um den Einsatz von Gewehren, Granaten und Panzer geht? Eine Sport-Influencerin, die bei einer Fitnessübung mit der Armee mitmacht? Oder eine Frau am Steuer eines grossen Lastwagens, da man im Militär diverse Autoprüfungen absolvieren und danach garantiert gut einparken kann, um auch noch das letzte Klischee zu bedienen?

2020 wurde der Verein «FIT Frauen im TAZ» als Netzwerk für dienstleistende Frauen in der Armee sowie im Rotkreuzdienst und der Sicherheitsbranche gegründet. Deren Instagram-Account gibt Hinweise darauf, was Frauen in der Armee toll finden, beziehungsweise mit was sie sich identifizieren. Und – oh Überraschung – soooo anders als bei den Männern scheint die Welt hier nicht zu sein. Sie trinken Bier, ballern mit Pistolen rum, zeigen sich im Tarnanzug, marschieren durchs Dickicht.

Ich bin ja gespannt, was die neuen Influencerinnen da aus dem Hut zaubern werden. Denn scheinbar braucht es ja für wirklich Armee-Interessierte Frauen gar kein Sonderprogramm – zumindest was den Auftritt auf Social Media angeht.

Übrigens: Erst seit 2001 sind sämtliche militärischen Funktionen für Frauen geöffnet und Kampfeinsätze sowie volle Bewaffnung erlaubt. Für alle Frauen, die sich also gerne über Dinge aufregen, bei denen Männer bevorzugt wurden, sollte dies Grund genug sein, «grad z'Leid» Dienst zu leisten. Und das ganz ohne Social Media. 

Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.

Kommentar schreiben