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Züriost-Blog

Nur das Gipfeli fehlt

Lea
Chiapolini
Dienstag, 26. Januar 2021, 10:10 Uhr Züriost-Blog

Da sind wir also wieder. Lockdown, Shutdown, wasauimmer. Auf jeden Fall Homeoffice. Doch für mich ist dieses Mal etwas grundlegend anders. Ich bin nicht mehr alleine.

Im Frühling hatte ich das ganze Haus für mich, da mein Mann nach wie vor täglich zur Arbeit ging. Jetzt ist er da. Und davor hatte ich zu Beginn ehrlichgesagt etwas Schiss.

Ich stellte mir die Situation etwa so vor, wie sie Frauen von frisch pensionierten Männern erzählen. «Er ist einfach immer da!», hört man diese ja zuweilen jammern. Der Mann sei im Weg, störe, wolle beschäftigt werden. Das kleine Königreich – in diesem Fall Königinnenreich – das Jahre nach einem bestimmten Takt funktioniert hat, scheint bedroht.

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Es waren nicht Jahre, die ich im Frühling in meinem kleinen Homeoffice-Reich verbracht habe. Aber die vielen Wochen, in denen ich jeweils den kurzen Arbeitsweg von Küche bis Schreibtisch hinter mich legte, haben Spuren hinterlassen.

Zwar fand und finde ich Homeoffice nach wie vor superblöd, was den Austausch mit dem Team und die kreative Arbeit angeht. Da läuft einfach nix. Aber ich habe begonnen, die Zeit alleine zu geniessen. Tun und (liegen) lassen, was ich will und wann ich will. Der Verlust dieses Spielraums war es, der mich etwas bibbern liess.

Jetzt ist der Mann also da. Und es ist krass. Krass schön.

Im Frühling fand ich es supertoll, mir jeden Mittag genau das zu Kochen, was ich essen will. Jetzt finde ich es supertoll, dass ich nicht mehr jeden Mittag kochen muss, sondern auch einfach mal an den Tisch sitzen kann.

Mit dem Partner im Homeoffice, Lust oder Frust?

Auswahlmöglichkeiten

Zudem reisst mich mein Mann aus der Arbeit und zwingt mich zu einer Znüni- oder Zvieripause. Im Büro tönt es täglich von irgendwo «trinked mer en Kafi?». Auch wenn man zur Abwechslung mal nicht im Vollseich ist, sind solche Verschnaufspausen immer willkommen, nur schon damit man den Blick zwischendurch mal vom Bildschirm löst.

Alleine im Homeoffice gehen Pausen oft vergessen. Oder man verbringt sie trotzdem am Bildschirm. Einfach zum Beispiel auf Youtube. Jetzt mache ich wieder Pause. Dank meinem Mann.  

Im ersten Lockdown habe ich mir zudem angewöhnt, vor dem Arbeiten einen kurzen Spaziergang zu machen. Nur 15 Minuten, die aber jedes Mal ein gutes Gefühl ausgelöst und den Start in den Tag markiert hatten. Im kalten, dunkeln Winter hingegen – nein danke. Also motivieren wir uns jetzt gegenseitig, zumindest über Mittag eine kleine Tour zu machen, um uns die Füsse zu vertreten. Oder auch nicht. Dann liegen wir einfach mitten am Tag ein wenig aufs Sofa.

Ich warte auf den Moment, in dem er mir dann doch auf den Zeiger geht. Bisher Fehlanzeige. Was wohl auch daran liegt, dass wir nicht im gleichen Zimmer arbeiten. Wir können jederzeit eine Türe zwischen uns schliessen. Meist ist sie aber offen.

Da habe ich wohl den richtigen geheiratet. Nur das Gipfelibringen am Morgen, das hat noch Optimierungspotenzial.

Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.

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