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Wider den Egoismus

Uhr
Frühlingsimpressionen
Michael
Kaspar

Liebe Leserinnen und Leser

Ich wünsche Ihnen alles Gute fürs 2022. Das alte Jahr ist vorbei, es war aber kein Jahr zum Vergessen, sondern eines, das uns in Erinnerung bleiben sollte. Als Mahnmal sozusagen und als Anstoss, das neue Jahr anders zu gestalten. Es ist ein Jahr, das gleich beginnt wie das letzte, alles steht im Zeichen der Pandemie. Corona und Covid-19 sind die alles bestimmenden Themen. Immer noch. Obwohl wir alle vor einem Jahr gehofft haben, dass der Spuk nun endlich ein Ende hat. Weit gefehlt. Und niemand wird heute die gleiche Prognose für in einem Jahr wagen. Man weiss es nicht. Gut möglich, dass das ständige Auf und Ab weitergeht, dass nach Omikron noch weitere, ungeahnte Mutationen dieses Virus auftreten und wieder uns und das Gesundheitssystem an die Grenzen bringen. Darauf werden wir uns wohl einstellen müssen und uns damit abfinden.

Es gibt aber in diesem Zusammenhang etwas, das wir gelernt haben sollten im vergangenen Jahr. Wir müssen uns wohl mit der Sache an sich abfinden, aber nicht damit, wie wir mit diesen Themen und mit dem eigenen Frust mit der Pandemie umgegangen sind. Es war in mancherlei Beziehung beschämend und skandalös. Impfen oder nicht impfen, boostern oder nicht auch noch boostern, Maske oder das schon gar nicht: Die Auseinandersetzung mit diesen Themen hat etwas mit den Menschen in diesem Land gemacht, was nachdenklich macht. Nicht viel hätte gefehlt, und manche normalen Bürgerinnen und Bürger wären gänzlich ausgerastet. Der Ton war hüben wie drüben eine Frechheit und jenseits von allem Anstand. Wie können wir nur zulassen, dass dieser Egoismus derart die Oberhand gewinnt? Immerhin – und das mag ein Zeichen für das neue Jahr sein – nach der Abstimmung Ende November hat sich die allgemeine Lage etwas beruhigt, aber immer noch gab es hier und da ein bedenkliches Aufflackern.

Wir müssen uns wieder auf den Anstand besinnen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Diskussion muss selbstverständlich geführt werden. Es ist wichtig, dass wir uns alle daran beteiligen, aber bitte mit Argumenten und nicht mit Schlagworten. Und auch nicht mit Verweigern oder Verachtung. Wenn wir gemeinsam aus diesem Covid-Schlamassel wieder herauskommen wollen, müssen sich alle einen Schupf geben. Jene, die sich um eine Impfung foutieren ebenso wie jene, welche die anderen einfach verteufeln. Aber wir sollten uns wieder auf den Anstand besinnen und dem Egoismus die Stirn bieten.

Nun stehen wir wieder am Anfang eines neuen Jahres. Es muss auch ein Neustart sein in der politischen Diskussion. Vor allem im Hinblick auf die Neuwahlen der Stadt- und Gemeindebehörden Ende März. Hier werden wichtige Weichen für die nächsten vier Jahre gestellt, in denen es um sehr viel mehr als um die Bekämpfung der Pandemie geht, die ohnehin auf einer anderen Bühne vorwärtsgetrieben wird. In manchen Gemeinden steht ein Wechsel an der politischen Spitze an und es gibt vielerorts wichtige Projekte, die in den nächsten Jahren anstehen. In der Auswahl auf unseren Wahlzetteln müssen wir uns darauf konzentrieren, welche Köpfe wir als fähig erachten, die Aufgaben am besten zu bewältigen.

Es darf durchaus eine Rolle spielen in der persönlichen Überlegung, wie sich jemand in der Öffentlichkeit zu übergeordneten Problemen geäussert hat, denn das rundet ein Bild einer Persönlichkeit ab. Aber der Wahlkampf – wo auch immer es denn einen gibt – muss sich in geordneten, sachlichen Bahnen abspielen. Fundamentale Qualitäten sind gefragt in unseren Gemeinden – in einigen sind sie dringender denn je.

Sie liebe Wählerinnen und Wähler haben es in der Hand. Und wir von «zueriost.ch», «Zürcher Oberländer» und «Anzeiger von Uster» werden alles daran setzen, Ihnen mit unserer Berichterstattung über die Wahlen, aber auch über alle anderen wichtigen Themen in unserer Region, bei der Entscheidungsfindung zu helfen.

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