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Ein bitterer Nachgeschmack

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Der englische Nationalspieler Marcus Rushford nach seinem vergebenen Elfmeterschuss. (Foto: Keystone)
Talina
Steinmetz

Einheit. Fussball für alle. Unter diesem Motto fand die Fussball-EM 2020 statt. Ein Turnier, das verschiedenste Länder, Nationen und Menschen zusammenbringen soll. Das Logo, sechs verschiedenfarbige Menschen-Silhouetten, stellte laut der UEFA die «vereinten Fussball-Bürger» dar.

Das Turnier sollte für Euphorie und Freude sorgen, sollte uns den Corona-Alltag ein wenig vergessen lassen. Nun ist es Geschichte – und von Einheit, Fussball für alle und Euphorie kaum mehr etwas zu spüren. Was die UEFA so gross propagierte, wird spätestens seit dem Finale und der Niederlage von England mit Füssen getreten.

Denn statt sich hinter «ihre» Spieler zu stellen und die Niederlage gemeinsam abzuhaken, wählte ein Teil der englischen Fans einen anderen, hässlichen Weg, ihrer Enttäuschung Luft zu machen: Rassismus.

Nach ihren Fehlschüssen im Penaltyschiessen gegen Italien wurden die Spieler Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka im Internet aufs Übelste rassistisch beleidigt. Doch nicht nur sie traf der Hass dieser sogenannten Fans. In den sozialen Medien flammte das N-Wort vermehrt auf und es wurde dazu aufgerufen, den Hashtag «SagJaZuRassismus» in die Trends zu bringen.

Hinzu kam eine Art Rassismus-Bingo: Je gewalttätiger man gegenüber einer schwarzen Person ist, desto mehr Punkte erhält man. Überschrieben ist das «Spiel» mit «Diese N* haben uns den EM-Titel gekostet».

Kein übereinstimmendes Bild

Dass ein Turnier wie die EM emotionsgeladen ist, die Fans mitfiebern und enttäuscht sind, wenn ihr Team verliert, das überrascht niemanden. Rassismus hat aber nichts mit gängigen Turnier-Emotionen zu tun – das ist ein tief verankertes Problem, welches nun nach dem Finale zum Vorschein kam.

Einem verlorenen Final, muss hinzugefügt werden. Denn hätte England das Turnier gewonnen, wären vermutlich alle Spieler als Nationalhelden gefeiert worden. Hautfarbe und Herkunft hätten vermutlich keine Rolle gespielt. Wie der ehemalige deutsche Nationalspieler Mezut Özil einst sagte: «Gewinnen wir, bin ich Deutscher. Verlieren wir, bin ich Immigrant.»

Doch es ist nicht nur der Rassismus, der dem Turnier einen bitteren Nachgeschmack verleiht. Das Image der Euro 2020 bröckelte bereits, als das Thema Regenbogenbeleuchtung aufkam. Diese wurde mit den Worten «Fussball ist nicht politisch» verboten. Gleichzeitig beteuerte die Uefa stets, die EM sei «ein Turnier für alle». Diverse Sponsoren sprangen auf die Welle der Toleranz auf, das Ball-Auto von VW fuhr sogar mit Regenbogendekoration auf den Platz.

Ein Bild, das so gar nicht übereinstimmt mit jenem, das sich nach dem Turnierfinal zeigte. Offenheit und Toleranz gerieten in den Hintergrund und mit ihnen die Menschlichkeit einiger Fans. Wie es scheint, lasen sich jene Werte offenbar besser auf den Werbebannern, als sie dann tatsächlich umgesetzt wurden.

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