×

Jeder ist seines Weggis Schmied

Uhr
(Foto: pixabay)
David
Marti

Es ist sehr praktisch, viele Sachen zu besitzen. Ich habe beispielsweise einen kleinen Amboss. Der ist ziemlich schwer, und ich habe ihn seit meinem Umzug vor fünf Jahren nicht mehr benutzt und weiss auch gar nicht, wo er momentan ist. Doch die Gewissheit beruhigt mich, dass ich jederzeit aus einer Suppenkelle eine Tortenschaufel schmieden kann. Ausserdem bin ich damit der einzige Schmied im Dorf, das habe ich nachgeschaut.

Das Hamstern hat den Nachteil, dass es in einer Viel-zu-klein-Wohnung irgendwann eng wird. Da die meisten meiner Waren mit Ausnahme des Schmiede-Inventars nicht aus verbundenen Stahlplatten bestehen, könnte ich das Zeugs locker in meinem Cheminée verbrennen. Weil ich die Feuerstelle aber ausschliesslich für meine Schmiede-Arbeit brauchen möchte, biete ich die Sachen zum Verkauf über verschiedene Plattformen an.

Auf einen Artikel meldete sich rasch ein Käufer. Er schrieb: «Ist ein Versand nach Weggis Gemeinde in der Schweiz möglich?» Darauf schrieb ich: «Ja, das ist möglich. Soll ich es nach Weggis Gemeinde in der Schweiz schicken?» Der Käufer fand das gut, ich soll aber gleich noch eine iTunes-Geschenkekarte im Wert von 100 Franken dazulegen, weil er seinen Cousin in Weggis Gemeinde in der Schweiz, an den die Lieferung gehen soll, zum Geburtstag überraschen wolle. Selbstverständlich addiere er die 100 Franken zum Kaufpreis, er müsse aber dafür Fotos der Karte mit darauf abgebildetem Pin als Nachweis haben.

Das fand ich überhaupt nicht verdächtig, angenehm einfach und ich lobte den Mann zudem für die abwechslungsreichen Mitteilungen in Deutsch und Englisch. Ich wollte aber vorher beim Käufer noch ein bisschen mit meinen Kenntnissen von Weggis Gemeinde der Schweiz angegeben und fragte im gleichen Atemzug, was den seinem Cousin an dem Dorf besonders gefalle. Leider brach der Mann daraufhin die Unterhaltung ab. Ich hoffe er meldet sich wieder, denn ich glaub, sein Cousin müsste bald Geburtstag haben.

Kommentar schreiben